Fährst du Auto? Achtest du auf Fairtrade? Ist dein Gemüse auch Bio?


Vegan, veganerer, am vegansten.


Ein ziemlich faszinierendes Phänomen, wenn manche erfahren, dass man Veganer ist, ist der Hinweis ob man denn zusätzlich auch auf diesen oder jenen Aspekt achte. So wird man dann gerne auf Herz und Nieren geprüft wie konsequent man in seiner Lebensführung so ist. Frei nach dem Motto: Vegan, veganerer, am vegansten. Denn es gibt ja eine Unzahl an Dingen, die es zu beachten gilt. Auf tierische Produkte in seiner Ernährung, Kleidung, Kosmetik, Reinigungsmitteln etc. zu verzichten reicht da einfach nicht. Wenn man wirklich mit gutem Beispiel voran gehen möchte, gehört wesentlich mehr dazu als das.

In gewisser Weise stimmt das auch. Es gibt viele Missstände auf dieser Welt. Egal ob in Bezug auf Menschenrechte, die Umwelt oder Nachhaltigkeit. Insofern gibt es immer Verbesserungspotential. So ist der Hinweis diesen Bedingungen Beachtung zu schenken auch gar nicht so falsch.

Beeindruckend ist es jedoch, wenn diese Hinweise dann fallen um zu erklären warum Veganer die Handlungsweisen anderer nicht kritisieren sollen. Nach dem Motto: Du bist ja auch nicht perfekt. Oder: Du aber auch.
Zusätzlich entscheidend ist in meinen Augen hierbei auch die Position, aus der die Kritik erfolgt. Wenn ich selbst beispielsweise nicht auf Umweltschutz achte, wirkt es ziemlich zynisch, wenn ich einen anderen, der schon was für  Umweltschutz tut, darauf hinweise, dass er noch auf dieses oder jenes achten soll.
Wenn Kritik sachlich fundiert ist, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Kritik hilft ja auch sich zu verbessern. Wenn es aber nicht darum geht Verbesserung anzustreben, sondern nur dazu dient von sich selbst abzulenken, wie gesagt nach dem Prinzip: Du verursachst aber auch Leid, ist das weder hilfreich, noch führt es zu Verbesserung. Vor allem aber, weil Ablenkung vorrangig dazu dient sich mit dem Thema nicht auseinander setzen zu müssen, denn eigentlich geht es nur darum dem anderen zu zeigen, dass er auch nicht so perfekt ist.

Es geht immer besser und konsequenter. Das nächste Level, von einer veganen Lebensweise ausgehend, wäre dann wohl der Frutarismus, irgendwann das Einsiedlertum und am Ende vielleicht sogar die Lichtnahrung. Nur hätte das den Nachteil, dass Lichtnahrung auf Dauer zu Mangelerscheinungen führt, da damit keine ausreichende Nährsroffversorgung gewährleistet werden kann. Desweiteren verringert diese Ernährungsweise die eigene Lebenserwartung erheblich.

Nun ja, die Beendigung der eigenen Existenz sollte nicht das angestrebte Ziel sein. Denn gesund ist das nicht. Und hilfreich schon gar nicht.
Abgesehen davon wäre das dann ja wieder Tierleid. Denn der Mensch ist ja auch ein Tier…

Hm, wie dem auch sei, auf gewisse Weise ist der Hinweis, dass es ja auch andere Aspekte gibt, die Leid verursachen, verständlich, auf andere Weise jedoch nicht.
Denn der Hinweis, als Veganer versucht man zwar größeres Leid zu vermeiden, verursache aber trotzdem Leid, steht zu einander in unterschiedlicher Relation und ist deshalb nicht gleichzusetzen. Vor allem aber entkräftet dieser Hinweis nicht die eigentliche Kritik.
Also, ob ich jetzt Auto fahre oder nicht ändert nichts am Umstand, dass Massentierhaltung falsch und grausam ist. Was nicht heißt, dass ich nicht daran interessiert wäre mich zu verbessern. Wenn es Sinn macht und mein Gegenüber nicht erwartet, dass ich in die Einöde ziehe und mittels Lichtnahrung indirekten Suizid begehe, immer gern :).

Man sollte jedoch sachlich bleiben. Veganismus bedeutet nicht, dass man überhaupt kein Leid verursacht. Allein durch unsere Existenz beeinflussen wir das Leben anderer Lebewesen um uns herum. Zum Beispiel, indem wir in Wohnungen leben, nehmen wir Tieren den Lebensraum. Oder wenn man über eine Wiese läuft kann es sein, dass man dabei auf ein Insekt tritt.
Nichts desto trotz ist dieser Hinweis kein Argument dafür vermeidbares Leid nicht zu vermeiden bzw. nicht bewusster zu handeln. Denn, nur weil ich nicht existieren kann ohne Leid zu verursachen, bedeutet das nicht, dass ich dann einfach machen sollte was ich will. Besonders als Menschen haben wir eine Verantwortung. Denn, gerade unser Verstand ist das, was uns von anderen Tieren unterscheidet. Denn unser Verstand gibt uns die Fähigkeit unser Handeln zu reflektieren und auf richtig und falsch zu prüfen. Also sollten wir die Fähigkeit auch dazu nutzen das Richtige zu tun.

Davon abgesehen, wenn ich mich selbst reflektiere, früher als Allesesserin zu heute als Veganerin, handle ich heute definitiv bewusster. Ich bin nicht perfekt, diesen Anspruch will ich auch nicht erheben. Ich könnte auf wesentlich mehr Dinge achten als ich es bislang tue.
Nichts desto trotz, Priorität sollten in erster Linie die großen Probleme haben. Wenn die behoben sind, dann kann man sich auch um die vergleichsweise kleineren Probleme kümmern.

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2 Kommentare zu „Fährst du Auto? Achtest du auf Fairtrade? Ist dein Gemüse auch Bio?

  1. Der Artikel ergänzt ja sehr gut einige Aspekte, die ich bereits geschrieben habe.
    Interessante Anschauung und definitiv erstrebenswert.
    Ein respektvollerer Umgang mit dem, was uns umgibt, sollte oberste Priorität bei vielen sein.
    Und ich hoffe, dass du dich bei meinem Artikel nicht persönlich angesprochen gefühlt hast 😉

    Liebe Grüße Abbey

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    1. Nein, keine Sorge. ich habe mich von deinem Artikel nicht persönlich angesprochen gehfühlt.
      Freut mich, wenn dir mein Artikel gefallen hat ;).
      Es gibt viele Probleme auf der Welt, doch am effektivsten ist es meiner Ansicht nach sich erst einmal um die größeren Probleme zu kümmern und dann um die kleineren. Doch allgemein wäre ein respektvollerer Umgang in vielerlei Hinsicht erstrebenswert.

      Lg Cordula

      Gefällt 1 Person

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