Was ist Speziezismus?


Für einige, die sich entscheiden vegan zu leben, stellt es einen Widerspruch dar, dass wir Hunde und Katzen streicheln, während wir ein Schnitzel oder ein Steak essen. Denn prinzipiell ist die Katze, wie auch der Hund genauso ein Tier wie ein Schwein oder ein Huhn. Dennoch macht unsere Gesellschaft hier einen entscheidenden Unterschied zwischen Nutz- und Haustier.
Die einen Tiere dürfen leben, die anderen müssen sterben.

Diese Differenzierung nennt sich Speziezismus.

haustierUnsere Haustiere dürfen neben uns im Bett schlafen und mit uns raus ins Freie gehen, während unzählige andere Tiere nur deshalb existieren, um nach einer möglichst kurzen Zeit getötet zu werden. Für manch einen mag das logisch klingen. Der Mensch hat immer schon Rinder, Schafe und Schweine, ja auch Hühner gehalten und geschlachtet. Das nennt sich dann Domestizierung. (Also die genetische Isolation von Wildtieren und Wildpflanzen über Generationen hinweg, um ein Zusammenleben und Nutzen für den Menschen zu ermöglichen. Auch Haustiere oder unsere heutige Landwirtschaft sind somit diesem Prozess zu verdanken.)
Andererseits könnte man jetzt fragen: Aber wer entscheidet das? Wer hat festgelegt welches Tier zum Essen und welches zum Streicheln da ist? Doch vor allem: Brauchen wir das heute noch?

Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der wir nicht mehr um unser Überleben kämpfen müssen. Wir im Westen genießen also einen Luxus, den einige andere nicht haben. Solche, die wirklich auf das Halten von Tieren angewiesen sind, um sich von deren Fleisch zu ernähren. (Fastfood Ketten wie McDonalds, Burger King oder KFC zum Beispiel dienen nicht dazu unser Überleben auf diesem Planeten zu sichern, geschweige denn uns gesund zu ernähren.)
Insofern besteht zwischen diesen beiden Gegebenheiten ein nicht unwesentlicher Unterschied.

Jetzt ist die Differenzierung welche Spezies Tier gegessen wird von Kultur zu Kultur verschieden. Ein Inder wird zum Beispiel sagen, dass Kühe heilig sind und deshalb nicht gegessen werden sollten. Wir sagen Hunde und Katzen seien nicht zum essen da, während in bestimmten Bereichen Chinas Hunde und Katzen durchaus auf dem Speiseplan landen. Ein Beispiel hierfür wäre das Hundefleisch-Festival von Yulin, das jedes Jahr aufs Neue stattfindet.

NUtztierVielen Hundesympathen wird das Schicksal dieser Tiere berühen. Um dieses Festival zu stoppen kursierten auch Petitionen, die viele Unterschriften fanden. So sagen auch einige, dass man Hunde doch nicht töten kann um sie zu essen, die seien doch so intelligent und ja, auch menschlich. (Schweine sind zum Beispiel intelligenter als Hunde. Und trotzdem werden sie gegessen.)
Desweiteren wird man, wenn man Tiere einmal genauer beobachtet, bei jedem so etwas wie Charakterzüge ausmachen können.

Die zentrale Frage ist: Mit welcher Begründung entscheiden wir in einer Zivilisation wie der unseren, dass die eine Tiergattung leben darf und die andere sterben soll?

Wenn man mal durch den Supermarkt geht und explizit darauf achtet wie viel Fleisch und Wurstwaren einen da umgeben, dann ist das im Grunde viel mehr als wir eigentlich brauchen. Denn kein Mensch braucht zwanzig verschiedene Salamisorten von keine Ahnung wie vielen verschiedenen Herstellern.
Auch das mit Tradition, Gewohnheit oder Geschmack zu brgründen ist keine logische Ausgangsbasis. Man muss auch kein Tierfreund sein um zu sagen, dass man es für falsch hält, dass Tiere, egal ob Nutz- oder Haustier, gequält werden.

Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich mir früher, zu Noch-Fleischesser-Zeiten, nie Gedanken darüber gemacht habe ob es einen Widerspruch darstellt, dass ich meine Katze streichle und dann zum Mittagessen ein Schnitzel esse.
Es war einfach normal. Selbstverständlich. Unsere Gesellschaft lebt es uns ja vor. Schließlich wachsen wir von kleinauf damit auf, dass hierzulande vorwiegend Huhn, Schwein und Rind auf dem Teller landen.

Warum also differenzieren wir?
speziezismusIn Bezug auf das Hundefleisch-Festival von Yulin waren viele, wie gesagt, bestürzt und haben Petitionen unterschrieben. Doch warum kommt diese Anteilnahme nicht auch unseren hiesigen Nutztieren entgegen?
Man könnte jetzt zum Beispiel sagen, dass die eine Sorte Tier einem näher steht als die andere. Nichts desto trotz, muss einem ein Lebewesen erst nahe stehen, dass man ihm ein Recht auf Leben zukommen lässt?

Für mich jedenfalls ist diese Differenzierung heute ein Widerspruch.
Man kann schon tierlieb sein und trotzdem das Fleisch anderer Tiere essen. Entscheidend ist dann aber meiner Ansicht nach wiederum die Begründung wieso das so ist. Ist es Gewohnheit? Ist es Tradition? Weil es halt immer schon so war und immer schon so getan wurde. Ist es Geschmack? Oder vielleicht etwas anderes?

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6 Kommentare zu „Was ist Speziezismus?

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