Yes, this is the reality: Epic Meal Time. Oder: Epic Meal Desaster – eine „Kochshow“, die die Welt nicht braucht.


Ja, das ist die Realität. Traurig, aber wahr.

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Wenn ich vorstellen darf: Der Gastgeber der „Kochsendung“

Man nehme ein paar Typen, die scheinbar zu viel Zeit und eine Vorliebe für groteske Fleischkreationen haben, gebe ihnen eine Kamera und eine Küche. Und was dabei heraus kommt ist die wohl groteskeste „Kochshow“ überhaupt.

So oder so ähnlich ließe sich Epic Meal Time meiner Ansicht nach am besten beschreiben.

Alles in allem ist Epic Meal Time eine Art „Kochsendung“ auf Youtube, die 2010 das erste Mal online ging und in der alle möglichen Fastfoodartikel wie Burger, Käse, Zwiebelringe und Bacon – vor allem Bacon – zu Dingen verarbeitet, die brechreizauslösender nicht sein könnten.
Irgendwie ist es da kein Wunder, dass das Erfolg hat und über 6 Millionen Zuschauer das aboniert haben. Schließlich ist es interessant zu beobachten wie sich ein paar Kerle Berge aus Fleisch und Käse einverleiben, ohne dabei gleich einen Herzinfarkt zu erleiden. (Das muss man auch erst einmal hinbekommen. Wenn das keine Leistung ist, dann weiß ich auch nicht.)

Wir leben heute jedenfalls in einer Zeit, in der XXL-Schnitzel und XXL-Burger schon längst zur Normalität geworden sind. Desto größer und gigantischer, desto besser. Da ist es dann umso cooler, wenn ein paar Typen diesen XXL-Boom noch zu weiteren Extremen vorantreiben und zum Beispiel einen Burger nur aus Bacon oder eine Lasagne aus kiloweise BigMacs, Hackfleischsoße, Bacon und Käse produzieren. Wichtig dabei: Grünzeug ist nicht erwünscht! Wobei, ein paar Zwiebelringe dürfen es dann schon sein.

Beeindruckend im negativen Sinn ist es, dass Millionen (wie gesagt 6 MIllionen und mehr) das auch noch unterstützen. Mal ehrlich, wie verblendet sind wir mittlerweile eigentlich?
allbaconOft heißt es mitunter Veganismus sei ein Luxusproblem. Schließlich kann man nur dann den Fleischkonsum anderer ankreiden, wenn es einem selbst zu gut geht und man in einer Überflussgesellschaft wie der unseren lebt. An anderen Orten der Welt wären die Menschen froh, wenn sie Fleisch essen könnten, statt hungern zu müssen.

Im Prinzip ist das genau der springende Punkt. Denn mal ehrlich, wie verwöhnt muss man sein, dass man denkt es wäre selbstverständlich Türme aus Fleisch zu bauen? Früher hat man mit Lego gespielt und heute baut man Türme aus Fleisch? Irgendwie muss mir der Zeitpunkt entgangen sein, an dem das zur Normalität geworden ist. Eine fragwürdige „Normalität“, wenn man mich fragt.
Und alles was mir dazu einfällt ist, dass es uns viel zu gut zu gehen scheint. Nicht nur dass in Epic Meal Desaster das Stichwort Lebensmittelverschwendung ein neues Level erreicht, überhaupt der Respekt, dass dafür Lebewesen sterben mussten, scheint vollkommen verloren gegangen zu sein.

Wenn wir schon beim Thema Luxus und damit einhergehend bei Lebensmittelverschwendung sind, laut Welternährungsorganisation FAO stünden uns mit aktuellen Mitteln so viele Nahrungsmittel zur Verfügung, dass wir 12-14 Milliarden Menschen ernähren könnten (derzeit sind wir ca. 7,5 Mrd. Menschen, von denen ca. 1 Milliarde an Hunger leidet). Zitat: „Die landwirtschaftliche Produktion würde ausreichen, um alle Menschen der Welt zu ernähren. Die Kalorienmenge, die jedem Menschen täglich zur Verfügung steht, stieg von 2.200 Kilokalorien (kcal) Anfang der 1960er Jahre auf 2.881 kcal in den Jahren 2012-2014. Selbst in Subsahara-Afrika stehen theoretisch 2.391 kcal zur Verfügung, in den Industrieländern sind es mehr als 3.000 kcal pro Tag.“ (Quelle)

Wir haben also aktuell genug Nahrungsmittelquellen, sodass wir alle Menschen auf der Welt ernähren könnten. Wenn man aer bedenkt, dass mal eben 40% der Weltgetreideernte und ca. 85% der weltweiten Sojaanbaus, stattdessen an Tiere verfüttert wird, bekommt der Sachverhalt allerdings wieder eine ganz andere Perspektive. (Vor allem unter dem Aspekt, dass erwartet wird, dass sich der weltweite Fleischkonsum bis 2050 verdoppeln soll.)
Da macht es doch gleich viel mehr Spaß ein Format wie Epic Meal Desaster anzusehen, nicht wahr?

Irgendwann muss bei uns jedenfalls ein ziemlicher Realitätsverlust stattgefunden haben, wenn man sowas für in Ordnung oder unterhaltsam hält.
Gut, zum Teil ist das mitunter unserer Überflussgesellschaft zu verschulden, in der einem Fleisch praktisch an jeder Straßenecke für ein paar Cents hinterher geworfen wird. Andererseits ist das aber auch darin begründet, dass sich die Mehrzahl von uns eben keine Gedanken darüber macht wie all diese Produkte – Fleisch, Käse, Bacon etc. – überhaupt produziert werden und was das für die Tiere und eben auch den Menschen eigentlich bedeutet.
In den Augen der meisten ist Bacon zum Beispiel wohl nicht mehr als ein Produkt. Ein lebloses, abgepacktes Ding in irgendeinem Supermarkt. (Zugegeben, früher habe ich mir da auch nicht sonderlich viele Gedanken darüber gemacht.)

life of bacon
„Entertainment“ vs. Realität

Eine Erfahrung, die ich hierbei allerdings des Öfteren mache ist, dass viele sagen, dass sie selbst nie in der Lage wären ein Tier zu töten. Oder dass sie sich das auch nicht ansehen können. Doch, wenn man sich das nicht ansehen kann, warum sollte es dann gut genug für den eigenen Magen sein?

Wobei wir auch beim nächsten Grund wären, warum 6 Millionen Zuschauer Epic Meal Desaster unterstützen: Geschmack. (Würden Tierprodukte grundsätzlich Brechreiz auslösen, würden sie sich wohl kaum verkaufen.)
Nichts desto trotz, ist Geschmack wirklich ein Argument um über den Tod eines anderen Lebewesens zu entscheiden? (Denn, mal ehrlich, das Überlebens-Argument fällt in einer Überflussgesellschaft wie der unseren so ziemlich weg.)

Alles in allem finde ich, dass die Leute, die sowas cool finden sich mal mehr Gedanken über die Hintergründe dessen machen sollten, was sie da so toll finden. Das könnte nicht schaden und würde die Welt ein Stück weit besser machen.

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