Warum ich kein Veganer mehr bin. Oder: Arbys Brown Sugar Bacon hat mich überzeugt.


„Bist du ein Vegetarier? Verspürst du den Drang dieses Fleisch zu kaufen und zu verschlingen? Hat Arbys Brown Sugar Bacon dich auf eine Art und Weise verlockt, die du nie für möglich gehalten hättest?
Du bist nicht allein. Wir können helfen.
Greif jetzt zum Hörer und wähle die Arbys Vegetarier Seelsorge Hotline unter: 1-855-Fleisch-Hilfe.“ (So zumindest die deutsche Übersetzung.)

Sieht doch lecker aus, nicht wahr? Dieser Brown Sugar Bacon.
Mal ganz ehrlich, Bacon. Bacon glasiert in Zucker. Mehr muss man da doch nicht sagen. Oder?
Dafür möchte man doch sofort seine Prinzipien über Bord werfen und diesem Drang, dieser Verlockung in sich nachgeben und in dieses Stück Schweinefleisch hinein beißen.

Anfangs, als ich den Spot das erste Mal gesehen habe, musste ich fast schon automatisch mit dem Kopf schütteln. Ich dachte mir nur, dass das im Prinzip eines dieser Paradebeispiele ist, in denen ein Unternehmen nicht deutlicher zeigen kann, dass ihm das Leid von Tieren in Massentierhaltung, der Regenwald, Umweltschäden, Ressourcenverschwendung und Artensterben eigentlich vollkommen egal sind, Hauptsache die Kasse stimmt.
Doch, als ich mir den Spot noch ein paar weitere Mal angesehen habe, dachte ich mir: Wozu überhaupt dieser Protest? Was jemand wie ich zu sagen hat, das interessiert doch sowieso keinen. Abgesehen davon, das ist Bacon. Bacon glasiert in Zucker.

Am Anfang dachte ich ja auch: Geschmack. Das ist alles, womit Unternehmen wie Arbys werben und ihre Kunden zu manipulieren versuchen. Dabei hat das Tier, das dafür gestorben ist wahrscheinlich nie Tageslicht gesehen, geschweige denn sowas wie ein schönes Leben gehabt.

Sind 6 bis 8 Monate bis man als Schwein sein Schlachtgewicht erreicht hat, ein schönes Leben? Ist wohl Ansichtssache, nicht? Aber diese Schweine können stolz sein, dass eine Fastfood Kette wie Arbys sie auserkoren hat ihr kurzes Leben für sowas wie Brown Sugar Bacon herzugeben.

Auf jeden Fall hat sich meine Denkweise irgendwie schlagartig geändert. Ich fühlte mich einfach angesprochen. Schließlich ist in dem Spot ja auch von Vegetariern die Rede. Der Spot zielt also auf Leute ab, die kein Fleisch essen und insgeheim danach dürsten. Und mal ehrlich, insgeheim dürsten wir doch alle, Vegetarier wie Veganer, nach Fleisch. Wir wollen es nur nicht zugeben. Denn ohne Fleisch und Tierprodukte geht doch jede Lebensfreude verloren. Also überspielen wir das, indem wir den Leuten weiß zu machen versuchen, dass Vegetarier- oder Veganer-sein gar nicht so schwer ist und dass es jede Menge leckere Alternativen gibt. Besonders in einer Zeit wie der heutigen wo man Alternativen zu Tierprodukten in so gut wie jedem Supermarkt findet.

So habe ich auch daher geredet. Und mir insgeheim immer gedacht: Ich möchte am liebsten in Zucker glasierten Speck.
Und irgendwie muss Arbys meine Gedanken mittels Telepathie erhört haben. Anders wäre nicht zu erklären, wie der Konzern plötzlich auf diese brilliante Idee kommen konnte.
Besonders super finde ich ja, dass Arbys sowas wie eine Seelsorge Hotline für Vegs eingerichtet hat. Das zeigt doch mal soziales Engagement und echtes Mitgefühl mit uns armen Fleischlosen.

Jedenfalls habe ich mich entschieden, dass ich nicht mehr so weiter leben möchte wie bisher. Ich möchte nicht mehr in dieser Glaskuppel leben, abgeschottet vom Rest der Welt. Ich möchte wieder normal sein und deshalb-

Ähm, stopp! Bevor jemand denkt, ich würde all das hier ernst meinen. Nein, kein bisschen. Ich bin auch weiterhin Veganer und habe nicht vor das in absehbarer Zeit zu ändern. Vielmehr ist ein Spot wie dieser, wie ich finde, ein Paradebeispiel dafür wie sich Großkonzerne wie Arbys mit traurigem Witz aus der Verantwortung stehlen. Es geht eben nur darum Geld zu verdienen. Und so lange es Kunden gibt, die für sowas wie Brown Sugar Bacon bezahlen, wird es auch sowas hier geben. (Video From Farm to Fridge.)

Die entscheidende Frage ist nur ob wir das nicht ändern wollen?

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6 Kommentare zu „Warum ich kein Veganer mehr bin. Oder: Arbys Brown Sugar Bacon hat mich überzeugt.

  1. Erst habe ich den Kopf geschüttelt, aber mittlerweile finde ich den Spot richtig perfide. Veganer werden ganz schön übel verhöhnt, außerdem Menschen, die wirklich eine Seelsorge brauchen und Tiere sowieso. Die Masche ist genauso ekelhaft wie das Produkt 🙂

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