Star-Köchin Sarah Wiener: „Vegan ist auch keine Lösung.“ Hat sie recht?


Star-Köchin Sarah Wiener verkündet in einem Artikel des Enorm-Magazins, dass vegane Ernährung auch keine Lösung sei, denn auch sie rettet nicht die Welt. Sojamilch sei in etwa so künstlich wie Cola und überhaupt „vegane Industrieprodukte ließen Böden erodieren, versauten das Klima und vergifteten das Wasser“. Davon abgesehen seien vegane Industrieprodukte oft stark verarbeitet und auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.

Sarah WienerSo sagt sie: „Weil wir mit unserem Körper, mit unserer Seele nicht mehr verbunden sind, essen wir oft nebenbei. Wir kauen viel zu wenig, wir schlingen. Und denken nicht darüber nach, was wir essen, sondern stopfen uns voll mit hochverarbeitetem Fast Food. So mancher hat zu seinem Auto ein innigeres Verhältnis als zu seinem Körper. Billig-Benzin, das dem Motor schadet, will keiner in sein Fahrzeug pumpen. Aber das Billigindustrieöl im Essen: nur rein damit!“

Weiter sagt sie: „Wir essen zu viel Fleisch. In den Industrieländern ist das die größte Ernährungssünde. Denn dieses Fleisch kommt ganz überwiegend aus tierquälerischer Haltung. Und wir unterstützen so ein Massentierhaltungssystem, das die Würde der Tiere mit Füßen tritt und der Umwelt massiv schadet. Zudem spitzt unser hoher Fleischkonsum die globale Ernährungsungerechtigkeit weiter zu. Die Menschen in Südamerika zum Beispiel leiden unter unserem immensen Fleischhunger – denn die Felder, auf denen Getreide und Früchte wachsen sollten, dienen nur dem Anbau von Futtermittel. Machen wir so weiter mit dem Fleischessen, brauchen wir bald eine zweite Erde.“

In diesem Punkt hat sie absolut recht. Unser Hunger nach Billigfleisch sorgt dafür, dass Menschen an anderen Orten der Welt nichts zu Essen haben. Alles nur, weil wir darauf bestehen, dass es normal sein soll, jeden Tag Fleisch essen zu können. (Wir töten jedes Jahr ca. 70 Milliarden Landtiere, also Schweine, Hühner und Rinder, Meerestiere noch gar nicht inbegriffen.) Desweiteren sorgt unser Fleisch-Hunger für Umweltschäden, die Abrodung des Regenwaldes uvm.
Wir heben als Menschen immer hevor, dass unser Verstand uns von anderen Tieren unterscheidet. Manchmal jedoch frage ich mich was man eigentlich alles an Gründen angeben muss, damit so manch einer versteht, dass es so nicht weiter gehen kann?

Desweiteren schreibt Frau Wiener: „In den letzten Monaten habe ich vegetarisch gelebt. (…) Für mich ist es kein Genuss, in den Schenkel eines Huhns zu beißen, das weder Sonne noch Wind gespürt hat, dessen Schnabel amputiert wurde und das schon nach wenigen Tagen sein Körpergewicht kaum mehr tragen konnte. In ihrem kurzen Leben bekommen Hähnchen bis zu acht verschiedene Antibiotika – bei einer 40-tägigen Mast also statistisch gesehen jeden vierten Tag! Solches Fleisch will ich nicht essen, aus ethischen Gründen. Und als Köchin würde es mich ekeln, es zuzubereiten.“

Auch hier stimme ich ihr voll und ganz zu. Denn das ist mitunter auch ein Aspekt, warum ich kein Fleisch mehr essen möchte. Mit Genuss oder Gewinn an Lebensqulität hat so etwas für mich überhaupt nichts mehr zu tun. Früher war ich mir dessen nicht bewusst, denn ich war darüber nicht informiert. Doch im Endeffekt ist ein solches Tier schon krank, bevor es überhaupt im Kühlregal irgendeines Supermarktes gelandet ist. Das ist etwas, das ich wirklich nicht mehr essen möchte.

Nichts desto trotz sagt Frau Wiener: „Und trotzdem wird dieser Gastbeitrag kein Aufruf, sich dem Trend zur veganen Ernährung anzuschließen. Denn leider rettet auch sie nicht die Welt. Sie garantiert noch nicht einmal eine gesunde und nachhaltige Ernährung. (…) Denn: Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch die nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region. Im Gegenteil: Auch vegane Industrieprodukte lassen Böden erodieren, versauen das Klima und vergiften das Wasser. Das System, in dem sie entstehen, ist ebenso grundlegend falsch wie das System der Fleischproduktion.“

Im Vergeich: Vegane Ersatz- und andere Fertigprodukte.
Im Vergeich: Vegane Ersatz- und andere Fertigprodukte.

Nun ja, hier gehe ich mit ihr nicht ganz konform. Denn sich vegan zu ernähren, muss nicht unsgesund sein und es muss auch nicht bedeuten, dass dadurch keine nachhaltige Ernährung gefordert würde.
Zugegeben, es fördert nicht die Nachfrage nach Produkten aus anständiger Tierhaltung, schließlich verzichten Veganer generell auf Tierprodukte, wodurch erst gar keine Nachfrage danach besteht. Das ergibt sich sozusagen aus dem Kontext. Hierbei wäre dann aber auch zu klären, was man unter anständiger Tierhaltung versteht?
Die Lösung sollte selbstverständlich nicht sein, die Fehler der Gegenwart zu wiederholen. Nichts desto trotz würde diese Aussage dann nicht nur auf vegane Ersatzprodukte, sondern vielmehr auf alle auf dem Markt erhältlichen Fertigprodukte zutreffen, weshalb diese Aussage als Argument gegen eine vegane Lebensweise ein wenig zu verallgemeinernd ist, wie ich finde.

Nichts desto trotz sagt sie: „Vegane Ersatzprodukte sind ein Tor für die Nahrungsmittelindustrie, um noch mehr künstliche, stark verarbeitete Lebensmittel minderer Qualität auf den Markt zu werfen.“

Produkte minderer Qualität auf den Markt zu werfen kann auch nicht die Lösung sein. So haben eben auch Fleischproduzenten wie Rügenwalder Mühle dieses Segment für sich erschlossen fleischähnliche Produkte zu entwickeln.
Ich muss dabei auch ehrlich sagen, dass vegane Salami, veganer GeVlügelsalat und vegane Shrimps für mich auch nicht besonders attraktiv sind. Vielmehr sollten diese Produkte nur ab und zu mal auf dem Speiseplan stehen und dafür Obst und Gemüse, also vollwertige Produkte, den Hauptbestandteil der Ernährung ausmachen. Das gilt aber nicht nur für Veganer, sondern auch für Vegetarier, wie Mischköstler gleichermaßen.
Fleischersatzprodukte sind vielmehr als leidfreie Alternative zu verstehen, um Altbekanntes zu erhalten (denn nicht jeder verzichtet auf Fleisch, weil er diese Produkte eklig findet oder weil sie ihm nicht geschmeckt haben), aber auch um Mischköstlern eine Alternative zu den Originalprodukten zu liefern.
Insofern kann ich ihre Kritik an der Lebensmittelindustrie an sich durchaus nachvollziehen. Wenn ein Unternehmen wie Coca Cola sich für die Herzgesundheit junger Frauen stark macht, ist das mindestens genauso ein Hohn, wie wenn McDonalds behauptet ihre Produkte seien gesund.

Nichts desto trotz schreibt Frau Wiener: „Für mich stellt sich durchaus die Frage, ob es nicht unser Schicksal ist, auch Tiere zu essen – weil wir Allesfresser sind…“

Was diesen Gedankengang angeht ob es nicht doch unser Schicksal sei Tierprodukte zu essen, denn wir sind ja von Natur aus Allesesser, so gehe ich mit ihr da nicht konform. Denn, gerade was Fleisch angeht, so ist unser Körper nicht darauf angewiesen, wodurch sich jeder zumindest vegetarisch ernähren kann und somit für das Töten von Tieren in einer Gesellschaft wie der unseren keine Notwendigkeit besteht. Der Ansicht, dass sich eine vegetarische Ernährung als Dauerkost für Menschen aller Altersgruppen sowie Lebensphasen eignet ist auch die DGE. (Von daher bin ich beispielsweise auch gegen das Töten von Tieren.)

milch mit kuhWas ihren Vergleich zu Sojamilch mit Cola angeht: „Die Sojamilch, die heute in jedem Supermarkt steht, ist ein hochverarbeitetes Industrieprodukt – und in etwa so künstlich wie Cola“, so gibt es dazu auch Alternativen wie beispielsweise die Herstellung von selbstgemachter Mandelmilch, die keiner industriellen Verarbeitungsprozesse bedarf.
Im Endeffekt tut sich mir dabei aber auch die Frage auf inwiefern Kuhmilch, als Tierprodukt, im Vergleich zu Sojamilch dann gesünder sein soll? (Gerade wenn man sich darauf beziehen möchte, dass wir ein Allesesser sind.) Denn auch diese wird indistriell verarbeitet und es wird auch aus gesundheitlichen Gründen vom Direktverzehr von Kuhmilch abgeraten.
So viel besser ist das also auch nicht. Da ist dann im Endeffekt die eigens hergestellte Mandelmilch doch die gesündere Alternative.

Nichts desto trotz kann Massentierhaltung auch nicht die Lösung sein. Denn, wie Frau Wiener selbst sagt, nimmt es die Würde der Tiere und hat mit artgerechter Haltung mal so gar nichts zu tun.
Nichts desto trotz, auch wenn sie sich gegen Massentierhaltung ausspricht und auch wenn geringe Fleischanteile (wie es die z,B, die DGE mit 300-600 Gramm pro Woche empfiehlt) der menschlichen Ernährung nicht schaden, zwingend notwendig ist das nicht.

Desweiteren muss eine vegane Ernährung nicht zwangsläufig bedeuten ungesund oder gar unökologisch zu sein. Im Gegenteil. Wenn ich mich in Rezepten oder Rezeptblogs umsehe, dann wird dabei oft schon Wert darauf gelegt mit vollwertigen Zutaten zu arbeiten.

Welches Resumee man letzten Endes aus dem Bericht für sich zieht, ist jedem selbst überlassen.
Alles in allem sind vegane Ersatzprodukte jedoch nicht gesünder, aber auch nicht ungesünder als andere Fertigprodukte. Denn sie beinhalten im Grunde alle die gleichen Zusatzstoffe. Von daher wird das meiner Ansicht nach oft zu negativ gehyped und vegane Ernährung oftmals zu sehr auf Fertigprodukte reduziert.
Desweiteren sind vegane Ersatzprodukte in ihrer Herstellung auch nicht umweltschädlicher als die Herstellung anderer auf dem Markt erhältlicher Fertigprodukte. Nichts desto trotz sollte man, das gilt aber für uns alle allgemein, auf Nachhaltigkeit und Naturbewusstsein setzen.

Advertisements

6 Kommentare zu „Star-Köchin Sarah Wiener: „Vegan ist auch keine Lösung.“ Hat sie recht?

  1. Ich verstehe Frau Wiener gar nicht, wenn ich mich mit Fleischessern unterhalte, kaufen sie doch sowieso allerhöchstens einmal im Monat Fleisch beim Biobauern gleich um die Ecke, bei dem man weiß, dass er die Tiere tot streichelt!
    Wie unlogisch muss man eigentlich denken, um solche Sätze wie“ vegan zu leben fördert nicht die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung“, nein, das fördert es nicht-ähm warum wohl???? Ach ja, Veganer essen ja gar kein Fleisch-ach nee!!!! Vergessen, oder?
    Frau Wiener weiß es auch besser als sämtliche Wissenschaftler, Ärzte und Ernährungsexperten dieser Welt, vegane Ernährung ist nicht gesund, nein nein, sowas von ungesund!!! Diese vielen Mikronährstoffe-das kann nicht gut sein!!!!
    Okay, hier höre ich auf, ich könnte noch endlos so weitermachen…. ich bin echt ein friedlicher Mensch, aber soviel Ignoranz und offensichtliche Blö……..ist zu viel für mich!!!

    Gefällt 1 Person

    1. Kann dich da voll und ganz verstehen. Dieser Satz stößt mir auch auf.
      Das ist halt eine Art Kontroverse, sag ich mal. Zwei Personen können dieselbe Meinung haben, zum Beispiel, dass Massentierhaltung falsch ist, aber eine grundlegend andere Herangehensweise verfolgen.
      Dass eine vegane Ernährung nicht die Nachfrage nach Tierprodukten überhaupt fördert, sondern eigentlich darauf abzielt, dass Tiere und ihre Eier oder Milch überhaupt keine Lebensmittel sind, scheint bei Frau Wiener etwas untergegangen zu sein.
      Sie argumentiert halt damit, dass auch eine andere Nachfrage das Problem lösen würde. Und verweist am Ende des Artikels ja auch darauf, dass man ja ab und zu mal Fleisch aus „anständiger“Haltung essen könne. Etwas, mit dem ich überhaupt nicht konform gehe.

      Das mit der Gesundheit ist halt wieder diese typische Berichterstattung wo man einfach eine Behauptung in den Raum stellt ohne diese groß mit Belegen zu untermauern. Allgemein war in dem Artikel ja primär von veganen Ersatzprodukten die Rede. Und mir erschien es auch so als ob die vegane Lebensweise auf das mehr
      oder minder reduziert wurde – Ersatzprodukte.

      Ich finde solche Berichte haben auch etwas Positives. Zum Einen regen sie zum Nachdenken an, indem sie Diskussionen in Gang setzen. Zum Anderen aber zeigt dieser Gegenwind „dass vegan auch keine Lösung sei“, dass wir, obwohl wir als Veganer gesellschaftlich gesehen noch ein verhältnismäßig kleiner Teil sind, so
      ernst genommen werden, dass man sich mit uns befasst. Auch wenn die Art und Weise wie noch Verbesserung bedarf ;).

      Gefällt 1 Person

      1. Na ja, einerseits schien sie über die Hintergründe in der Massentierhaltung bescheid zu wissen. Doch, an anderen Stellen verallgemeinert sie zu sehr. Da hätte ich mir auch was anderes gewünscht.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s