10 Dinge, die man als Veganer nicht hören will!


vegetarians-capHier mal meine ganz persönliche Top Ten an Dingen, die ich als Veganer am liebsten nicht mehr hören willWem noch was dazu einfällt, immer her damit 😉

1. Veganer essen meinem Essen das Essen weg.
Dieser Spruch ist mindestens so originell wie der Verweis, dass Pflanzen auch Gefühle haben. Ideal für einen dieser facepalm moments, in denen man einfach nur denkt: Oh Mann.
Nicht falsch verstehen. Doch es gibt Witze, die ungefähr nach dem tausendsten Mal schlichtweg ihren Charme verlieren. So mag sich der andere für witzig und originell halten, doch in Wirklichkeit wünschte man sich der andere hätte einen anderen Spruch gewählt. Denn in Wirklichkeit ist es so, dass dieser Spruch ein ziemliches Eigentor ist. Denn das „Essen“ eines Allesessers isst eigentlich den Menschen in der Dritten Welt das Essen weg. Lustig, nicht ;)?

2. Ich esse auch nur ganz wenig Fleisch.
Ich würde mal behaupten so gut wie jeder Veg kennt dieses Phänomen. Nahezu jeder Zweite, dem man begegnet, behauptet er äße nur ganz wenig Fleisch. Und wenn dann nur Bio, vom Bauern des Vertrauens und so weiter und so fort.
Das ist ja alles schön und gut, nur sprechen Statistiken leider eine andere Sprache. Nämlich, dass 98 Prozent allen Fleisches hierzulande aus Massentierhaltung stammt. Das wirft jetzt natürlich die Frage auf, wenn jeder Zweite ein bewusster Fleischkonsument ist, woher kommen dann diese Zahlen? Handelt es sich etwa um eine Verschwörung der Pflanzenlobby?
Ganz ehrlich, wenn derjenige, der eben noch sagte er äße nur sehr selten Fleisch sich den dritten Hähnchenschenkel auf den Teller legt, wirkt das einfach alles andere als glaubhaft. Deshalb, mir ist Ehrlichkeit da eindeutig lieber. Dann isst man halt beispielsweise sieben Mal die Woche Fleisch aus Massentierhaltung. Ist doof, aber immernoch besser als sich als Pseudo-Biofleischesser auszugeben.

3. Für Veganer werden ganze Landstriche an Regenwald abgerodet.
Jedes Mal, wenn ich das höre, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Denn der Sachverhalt ist eigentlich genau umgekehrt. Ich habe dazu mal vor einiger Zeit was geschrieben, zu lesen hier. Wenn man sich wirklich Gedanken darüber macht, dass für Soja Regenwald abgerodet wird, dann ist eigentlich genau das ein Argument dafür vegan zu leben.

4. Darfst du >dieses oder jenes Produkt, Sache, Gegenstand, Objekt…einfügen< überhaupt benutzen, machen, tragen, essen, trinken etc.?
Zuerst einmal: Als Veganer darf man alles, man will bloß manches nicht. Ich darf Tierprodukte essen, mir verbietet das niemand. Ich will das bloß nicht. Davon abgesehen ist es zwar sehr sorgsam, wenn andere einen darauf ansprechen ob man jetzt zum Beispiel ein Baumwoll T-Shirt tragen oder RedBull trinken darf (ist beides vegan). Doch irgendwo sollte man dann doch dem Veganer, der auch vegan lebt vertrauen, dass der schon wissen wird ob er dieses oder jenes tun, tragen oder essen darf.

5. Vegetarisch geht ja noch. Aber vegan? Das ist schon ein wenig extrem.
Das kann ich voll und ganz nachvollziehen. So einen Apfel vom Baum zu pflücken oder beim Kosmetikkauf darauf zu achten, dass diese nicht an Tieren getestet wurde, sind im wahrsten Sinne des Wortes extreme DInge. Tiere zu töten und für Kosmetiktests Chemikalien in die Augen zu träufeln, ist da viel harmloser. Doch vor allem normal. Und normal ist ja bekanntlich gut.
Also stimmt, Veganer sind schon verdammt extrem.

6. Hitler war auch Vegetarier.
Und der Serienkiller Jeffree Dahmer war ein Fleischesser, der ab und zu gerne mal Menschenfleisch aß. Der Serienmörder Charles Manson war auch Fleischesser. Ach ja, und Osama bin Laden auch. Genauso wie Moussolini, Putin, Goebbels… Reicht das?
Sorry, aber den Namen eines Negativbeispiels in den Raum zu werfen, ist kein Argument. Zumal Hitler ganz bestimmt nicht aus „Respekt vor dem Leben“ Vegetarier war. Wobei das eigentlich ziemich umstritten ist. Hitler soll aufgrund von Magenbeschwerden seinen Fleischkonsum stark reduziert haben. Und selbst wenn er Vegetarier war, so ist das dennoch kein Argument.

baerchen_wurst7. Warum esst ihr eigentlich Fleischnachbildungen, wenn ihr doch kein echtes Fleisch essen wollt?
Warum essen Fleischesser Wurst mit Bärchengesicht? Doch vor allem, warum essen Fleischesser Fleischkreationen, die mit dem Original mal so überhaupt nichts mehr zu tun haben? Zum Beispiel Würstchen oder Chicken McNuggets. Oder überhaupt diese künstlich rund geformten Hamburgerpatties?
Doch von alledem abgesehen, es gibt Vegs, die einfach deshalb auf Fleisch verzichten, weil sie die Industrie dahinter nicht unterstützen wollen, nicht aber, weil es ihnen nicht geschmeckt hätte. Und da bietet Fleischersatz einfach eine leidfreie, dem Original aber trotzdem ähnliche Alternative. Desweiteren erleichtert Fleischersatz auch den Umstieg auf eine vegetarische oder vegane Ernährungsweise, besonders am Anfang. Aber es ist auch für Fleischesser mal eine Alternative. Und vielleicht ist ja auch was dabei, das schmeckt.
Wer veganen Fleischersatz für künstlich hält und sich Gedanken über die Logik dahinter macht, sollte zuerst einmal die Fleischoriginale hinterfragen. Wie gesagt: Bärchenwurst.

8. Wenn ich aufhöre Fleisch zu essen, dann ändert das ja auch nichts.
Um ehrlich zu sein erlebt man selten so viel Resignation, außer wenn es um das Thema Fleischverzicht geht. Man möchte fast meinen die Leute geben auf, bevor sie überhaupt mal in Erwägung gezogen haben etwas zu tun. Dabei ist es eine simple Sache: Würden die Menschen anfangen weniger Fleisch zu essen, würde auch die Nachfrage danach sinken und dann an anderer Stelle wieder steigen. Zum Beispiel bei Obst und Gemüse. Oder bei leidfreien Fleischalternativen. Und wenn ein paar Leute anfangen, sich ein paar weitere anschließen und dann noch ein paar weitere dazu kommen, wird daraus irgendwann eine Bewegung. Und die kann dann sehr wohl was ändern.

9. Ist deine Ernährung nicht einseitig?
Nein. .Im Gegenteil. Eigentlich ist es eher so, dass meine Ernährung, seit ich vegan lebe, an Vielfalt zugenommen hat. Früher als Omni sah das eher anders aus. Also, theoretisch mehr Auswahl zu haben, muss nicht automatisch bedeuten auch mehr Vielfalt in seine Nahrung zu bringen. Heute esse ich auch viel bewusster, doch vor allem auch um einiges gesünder.
Natürlich kann man sich auch als Veganer nur von Pommes und RedBull ernähren. Das wäre auch vegan. Doch die meisten sind dann doch darum bedacht etwas Abwechslung in ihren Speiseplan zu bringen. Pommes und RedBull würde auf Dauer auch ein wenig langweilig.

10. Hoffentlich ist dieser Vegan-Hype bald wieder vorbei.
Es ist schon schlimm, wenn sich manche Leute dafür entscheiden sowas wie Massentierhaltung nicht unterstützen zu wollen, sich vielleicht auch entschließen ökologischer und damit umweltfreundlicher zu leben, sparsamer mit Ressourcen umzugehen und andere darauf hinzuweisen, dass so ein Apfel doch die etwas gesündere Wahl zur Currywurst mit Pommes ist. Nur verständlich, dass man da hofft, dass das irgendwann wieder ein Ende hat und Normalität einkehrt.
So nervig das Thema für manch einen auch sein mag und man die Entscheidung vegan zu leben gerne mal als Hype, also als kurzfristige Modeerscheinung abtut, so sollte man es eigentlich begrüßen, wenn ein Umdenken stattfindet, das danach strebt respektvoller mit Menschen, Tieren und der Umwelt umzugehen. Es sei denn man hält das Gegenteil davon für eine tolle Sache.

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9 Kommentare zu „10 Dinge, die man als Veganer nicht hören will!

  1. Randanekdote:Ich habe neulich gelesen,dass getestet wurde,ob die Ernährungsweise Einfluss auf die Einstellungen von Menschen hat und siehe da,die Tolerantesten (heißt das jetzt nicht Tolerist?;-) ) sind Veganer. Um den Genderbereich noch abzudecken,egal welche Ernährungsform,Frauen sind toleranter als Männer. Jedenfalls scheint ein Reflektieren über die Auswirkungen der eigenen Ernährung auch ein Nachdenken über andere Bereiche des Lebens nach sich zu ziehen. Was ja auch logisch ist,wenn mir das Leid von Tieren zuwider ist,dass mir auch das Leid von Menschen zuwider ist.

    Mich persönlich stört es nicht,wenn ich gefragt werde,ob ich auf dies oder jenes verzichte,denn das zeigt mir nur,dass die Person sich ebenfalls Gedanken gemacht hat. Und das unterstütze ich,wo ich nur kann. Meine Tops sind da eher:12.wovon wirst du satt,wenn du kein Fleisch ist? 13.Veganer sind nur vegan,um abzunehmen. Und mein Favorit in dieser LowCarb-Zeit: 14. Woher bekommst du dann dein Eisen/Eiweiß?

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    1. 13. habe ich bislang persönlich noch nie gehört. Aber 12. und 14. sind mir bekannt ;). Besonders der letzte Punkt ist, auch fern von Lowcarb denke ich, sehr beliebt.

      Zur Randanekdote:
      Die meisten Veganer sind ja laut Statistik Frauen, von daher glaube ich schon, dass das mit der allgemeinen Toleranz zutreffend ist. Wobei es auch wieder Fraurn gibt, die sich zum Beispiel nie vorstellen könnten auf Fleisch zu verzichten, ähnlich wie manche Männer.
      Aus eigener Erfahrung jedoch kann ich nur bestätigen, dass das Nachdenken über meine eigene Ernährung auch dazu geführt hat über andere Bereiche und deren Auswirkungen nachzudenken.

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  2. 11. Isst du auch nicht „x-beliebiges Tier“?
    Neulich beim Bäcker an der Theke:
    Ich: „Haben Sie auch Salate ohne Fleisch?“
    Kompetente Verkäuferin: „Müsste ich mal nachschauen. Also… Komplett vegetarisch? Etwa auch kein Hühnchen?“
    Ich: „???“

    Liebe Grüße von einer Tafeltante

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  3. An der These ist wohl was wahres dran 😀

    Zum Beitrag oben: ich kann nur bestätigen, dass die Ernährung vielfältiger wird, wenn man sich entscheidet vegan/vegetarisch zu ernähren. Man macht sich einfach viel mehr Gedanken und probiert öfter mal was neues aus. Bei mir hat es sogar bewirkt, dass ich angefangen habe Sachen zu mögen, die ich vorher nicht mal im Ansatz mochte (Essiggurken, Oliven, Zucchini)

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  4. Sehr gut geschrieben. Ein paar Anmerkungen von mir dazu.

    1 ist ABSOLUTER Blödsinn. Ich wohne in Oberbayern, genauer im Chiemgau und hier leben viele Mensche von der Milchproduktion. Geschätzte 70% der hier bei uns angebauten Pflanzen sind… Futtermais. Dieser wird zwar teilweise auch für Biodiesel und Biogasanlagen genutzt, der Großteil wird aber verfüttert. Dies wurde jüngst wegen der anhaltenden Hitzewelle von den Medien bestätigt, der Mais wächst nämlich zu langsam, die Maiskolben sind noch nicht richtig ausgewachsen, die Ernte zögert sich also heraus und es fehlt nun an Futter für die Hunderttausende Milchkühe. Muss ich noch erwähnen, dass Futtermais für den Verzehr von Menschen ungeeignet ist? Also: Wir Veganer essen NIEMANDEM das Futter weg, in der Massentierhaltung werden weitgehend Produkte verfüttert, mit denen wir gar nichts anfangen können!

    Das schließt den Bogen zu Punkt 3. Nein, den schwindenden Regenwald kann niemand den Veganern in die Schuhe schieben – dieser wird weitreichend für die Massentierhaltung inkl. Soya-Anbau für die Tierverütterung geopfert. Würden wir darauf verzichten plus im Chiemgau mehr für den Menschen statt für die Massentierhaltung anbauen – Wie würde das mit dem Hunger in der Welt aussehen?

    Zu 6. Diese Diskussion ist schon so alt wie der Vegetarismus bzw. Veganismus, Meines Wissens soll Hitler Vegetarier, nicht Veganer gewesen sein und das ist auch nicht verwunderlich. Hitler war knietief in den damaligen spirituellen Zirkeln unterwegs (Thule-Gesellschaft etc.) wie z. B. auch Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie. Wer weiß so etwas heute noch? Ich empfehle dazu das Buch „Das Schwarze Reich“ von E. R. Carmin über die esoterischen Wurzeln des 3. Reichs.

    Das Bild des Blut saufenden, Blümchen essenden Massenmörders Hitler ist grundfalsch. Hitler war gegen Ende seines Lebens allenfalls „Pudding-Vegetarier“, da er sich fast nur noch von Kuchen ernährt hat (siehe dazu z. B. den Film „Der Untergang“) – und wie du schreibst: Warum sollte das relevant sein? Veganismus führt sehr oft zu einem Umdenken, aber eben nicht immer.

    Ich stelle mal folgende mutige These auf: Man kann auch Veganer und gleichzeitig ein Arschloch sein. 😀

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    1. Ich kann dir in dem was du geschrieben hast nur zustimmen. Der Mythos Veganer hätten Schuld am Sterben des Regenwaldes ist absoluter Nonsense. Vor allem da es ja genau umgekehrt ist.
      Würden wir weniger Lebensmittel wegschmeißen und statt Getreide und Soja für Tiere Nahrungsmittel für Menschen anbauen, niemand müsste hungern. So zumindest laut FAO. Eigentlich würden bereits unsere aktuellen Nahrungsmittelquellen vollkommen ausreichen um uns alle zu ernähren.

      Für mich ergibt das Argument des sterbenden Regenwaldes durch Veganer absolut keinen Sinn. Davon abgesehen, wäre das dem anderen wirklich ein Anliegen, dann wäre es ja dann eigentlich die logische Konsequenz sich folglich zumindest vegetarisch zu ernähren. Eben zum Schutz des Regenwaldes.

      Deine These klingt interessant. Und mutig ist sie allemal ;).
      Ich denke da aber genauso. Man kann Veganer sein und trotzdem in anderen Bereichen ein Arschloch sein. Das eine schließt das andere nicht vollkommen aus. Nur sagt ein einziges Negativbeispiel halt nichts darüber aus warum Vegetarismus/Veganismus insgesamt schlecht sein soll.

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