Wenn Veganer wieder Fleisch essen…


Eine Frau namens Lierre Keith lebte 20 Jahre „vegan“ (vegan in Anführungszeichen, da Frau Keith nach eigener Aussage sagte, dass sie „bei jeder nur möglichen Gelegenheit Milch und Eier aß“, sich also scheinbar nicht druchgehend vegan, sondern auch vegetarisch ernährte) und stellte irgendwann fest, dass es ihr gesundheitlich immer schlechter ging. Doch als sie wieder Fleisch aß, ging es ihr wieder besser. In Folge ihrer Rückkehr zu einer omnivoren Ernährungsweise verfasste sie sogar ein Buch mit dem Titel „The Vegetarian Myth“. Ins Deutsche übersetzt: „Ethisch essen mit Fleisch“.
Eine andere Frau ernährte sich ebenfalls 7 Jahre vegan. Und auch sie beklagte gesundheitliche Probleme. Doch als sie begann Leber zu essen, ging es ihr ebenfalls wieder besser.
Heißt das nun, dass wir doch Fleisch und Tierprodukte essen müssen um langfristig gesund zu bleiben?
bärchenIch selbst habe diese Erfahrung auch schon gemacht. Nicht was gesundheitliche Probleme durch eine fleischlose Ernährung angeht, sondern die Rückkehr zu einer Ernährung mit Fleisch.
Im Endeffekt könnte man meinen Weg so beschreiben: Mischkost – vegetarisch – Mischkost – vegan.
Insofern gehöre ich praktisch zu den Menschen, die bereits eine „vegetarische Phase“ hinter sich hatten und dann wieder Fleisch und Tierprodukte aßen.

Was sich in Berichterstattungen ehemaliger Vegs, die wieder anfingen Fleisch zu essen, immer so anhört als ob es die einzig richtige Entscheidung gewesen sei, betrachte ich persönlich heute als Fehler. Denn ich würde aus heutiger Sicht nicht noch einmal den Schritt zurück zu einer Mischkosternährung gehen.
Damals, als ich Vegetarier war, hatte ich mich mit dem Thema Massentierhaltung nicht auseinander gesetzt. Ich war also kein ethisch motivierter Vegetarier gewesen. Heute ist das anders. Denn das Schicksal der Tiere war es, das mich dazu bewogen hat vegan zu leben.

Von daher soll dieser Blogbeitrag einmal eine andere Sichtweise darlegen. Denn darüber, wie es ist wieder zurück zu einer pflanzenbasierenden Ernährung zu finden, habe ich bislang noch nirgends was gelesen.

Oftmals wird ja vor allen Dingen der gesundheitliche Aspekt als Argument für eine Rückkehr zu einer Ernährung mit Fleisch benannt. So habe ich auch vor ein paar Monaten eine Frau kennengelernt, die mir, als sie erfuhr, dass ich Veganer bin, erzählte, dass sie auch mal vier Jahre lang vegetarisch lebte. Doch nach einem Blutbild beim Arzt wurde ihr ein Eisenmangel diagnostiziert. Und weil sie kein Eisenpräparat zu sich nehmen wollte, entschloss sie sich wieder Fleisch zu essen. Und seitdem ging es ihr wieder besser.

Was ich mich bei solchen Erzählungen immer wieder frage ist warum immer gleich der Schritt zurück zu einer Ernährung mit Fleisch in Erwägung gezogen wird? Denn Nährstoffmängel betreffen nicht nur Vegetarier und Veganer. Auch Mischköstler können einen Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel bekommen. Doch bei der Mischkosternährung scheinen nur die wenigsten der Meinung zu sein, dass diese nicht für jeden geeignet sei. Im Gegenteil.
Aus dem was ich in meinem beruflichen Alltag in der Altenpflege mitbekomme, kann ich sagen, dass es genug sich mischköstlich ernährende Menschen gibt, die Eisenpräparate zur Nahrungsergänzung oder Vitamin B12 als intramuskuläre oder subcutane Injektion erhalten. Insofern ist eine Ernährung mit Fleisch nicht automatisch ein Garant nicht auch von diesen Dingen betroffen sein zu können. (Zumal auch andere gesundheitliche Faktoren dabei mit eine Rolle spielen können.)
Die A.N.D. (Academy of Nutrition and Dietetics) zum Beispiel in ihrem Positionspapier zu vegetarisch-veganer Ernährung der Auffassung, dass „gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet sind, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, früher und späterer Kindheit und Adoleszenz.

Um einen Nährstoffmangel zu entwickeln, kann die Ernährung mit eine Rolle spielen. So kann man als Veg einen Nährstoffmangel entwickeln. Dem entgegen könnte man aber auch sagen, dass eine einseitige oder falsch umgesetzte Mischkosternährung ebenfalls zu Nährstoffmängeln oder gesundheitlichen Problemen führen kann. Und diesbezüglich gibt es auch nicht gerade wenige Beispiele. Angefangen bei Bluthochdruck, über Arteriosklerose, Diabetes, Herzinfarkt, bis hin zum Schlaganfall usw.

Insofern kann man das meiner Ansicht nach nicht als allgemeingültiges Argument in den Raum werfen, um zu sagen eine vegetarische oder vegane Ernährung sei nicht für jeden geeignet oder führe zwangsläufig zu gesundheitlichen Problemen.

Im Endeffekt habe ich mich schon auf alle drei Arten ernährt. Mischköstlich, vegetarisch, wie vegan. Vom gesundheitlichen Aspekt aus gesprochen ging es mir besser, desto pflanzenbasierter meine Ernährung ist. Ich kann nicht von besonderen Wandlungen berichten, doch mir geht es als Veganer nicht schlechter als wie als Vegetarier oder Mischköstler.

Was den ethischen Aspekt betrifft, so fällt es mir aus meiner aktuellen Sichtweise als Veganer schwer nachzuvollziehen, wenn jemand, der wegen der Massentierhaltung Veganer oder Vegetarier war, wieder anfing Fleisch zu essen. Denn gerade das ist es was ich an meinem persönlichen Entschluss, nach Jahren als Vegetarier wieder Fleisch zu essen, aus heutiger Sicht als Fehler betrachte. Denn ich habe damit die Massentierhaltung unterstützt. Ich hatte mich damals in meinen Kaufentscheidungen nicht an der Art der Tierhaltung, sondern vielmehr am Preis orientiert. Ich habe mich in meinen Essensentscheidungen also nicht anders verhalten als der Großteil unserer Gesellschaft auch. Und ich habe, als ich zuletzt Mischköstler war, auch nicht gerade wenig Fleisch gegessen. Insofern kann ich nur bestätigen, wenn es heißt, dass wir zu viel Fleisch essen. Denn wir essen wirklich zu viel Fleisch und denken oft zu wenig darüber nach was alles dahinter steckt.
Wenn man sich also mal der Tiere wegen entschlossen hat vegetarisch oder vegan zu leben, inwiefern lässt sich das dann mit Fleischkonsum vereinen? Meiner Ansicht nach ist das so eine Kontroverse. So heißt es auf der einen Seite, wenn das Tier ein „glückliches Leben“ hatte, sei es in Ordnung es zu töten. Andererseits, warum soll ein Tier überhaupt sterben? Denn, auch ein „glückliches“ Tier hängt doch an seinem Leben. Oder etwa nicht?

Als Veganer hat sich meine Sichtweise auf die Dinge, die mich umgeben, so ziemlich geändert. Da erscheint es mir manchmal befremdlich, dass es eigentlich noch gar nicht so lange her ist, dass ich mich selbst noch mischköstlich ernährt habe. Denn mittlerweile erscheint mir vegan zu leben so normal, als wäre es nie anders gewesen.

Alles in allem hat sich das mit dem Fleisch essen für mich jedenfalls erledigt, sodass ich nicht nochmal den Schritt zurück zu einer Mischkosternährung gehen würde.
gurken

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16 Kommentare zu „Wenn Veganer wieder Fleisch essen…

  1. Ich finde deinen Beitrag sehr interessant. Ich wollte schon öfters wissen, wie das genau ist mit Veganismus, ob man mal sündigt und wieso?! Seit 2 Monaten bin ich Vegetarierin und versuche zum Veganismus zu wechseln, allerdings will ich mich gut informieren. Ich war schon in meiner Jugend auf dem vegetarischen Weg unterwegs und man hört und liest immer wieder, wie wichtig Fleisch ist und dann wiederum die ganze Skepsis wegen der Antibiotika und Vorgehensweise bei der Schlachtung… pfui. Nun, der Hauptgrund bei mir ist, dass ich immer wieder unter verschiedenen Entzündungen leide und ein sehr schwaches Immunsystem habe. Jahrelang hatte ich sehr starke Akne am ganzen Körper, kaum eine Stelle ohne diese ekeligen Dinger. Allen voran war ich auch noch auf starken Antibiotika-Therapien. Ich habe, aber gemerkt, dass ich mich besser fühle und die Akne sich bessert, wenn ich keine Milchprodukte verzehre und bei Entzündungen greife ich jetzt zuerst zu Kurkuma-Kapseln. Zu denen hat mir ein Forumsmitglied mal geraten. Ich habe vegane Kurkuma Kapseln von vitaminexpress. Das ist das Einzige, was ich ohne Gewissensbisse einnehme. So will ich auch weitermachen und mich bald auch völlig vegan ernähren, vor allem weil ich keine Lust habe Fleisch zu essen, für das ein Lebenwesen gelitten hat…
    Herzlichen Gruß

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    1. HI Sila,

      freut mich, wenn dir der Beitrag gefällt ;).
      Und freut mich, dass dich die vegane Ernährungsweise interessiert :).

      Ob man jetzt sündigt und ab und zu mal eine Ausnahme macht, muss im Endeffekt jeder selbst für sich entscheiden. Für mich persönlich kommen
      Ausnahmen, wie ab und zu mal eine Scheibe Käse oder ähnliches zum Beispiel, nicht in Frage.

      Was Fleisch angeht, so ist das eigentlich gar nicht so wichtig für unsere Ernährung bzw. auch Nährstoffversorgung.
      Im Grunde ist Fleisch, genauso wie Fisch, für unseren Körper nicht essentiell, sodass sich eigentlich jeder vegetarisch ernähren kann.

      Was den Umstieg auf eine vegane Ernährungsweise angeht ist der beste Tipp, den ich geben kann, es in seinem eigenen Tempo angehen zu lassen
      und sich nicht unter Druck zu setzen :).

      Lg Cordula

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  2. Ich finde deinen Artikel sehr schön beschrieben.
    Ernährung ist mit unter immer eine ethnische Frage. Ich selbst bin keine Veganerin. Ich esse Mischkost, aber ich beziehe mein Fleisch vom Markt und vom Metzger, wo ich weiß, wo die Tiere herkommen.
    Natürlich ist es schwer, wenn man daran denkt, dass ein Tier sterben musste.
    Ich habe sehr lange vegetarisch gelebt und bin aus Eiweißmangel wieder zu Mischkost umgestiegen.
    Ich habe das Problem, dass ich leider die meisten pflanzlichen Eiweißquellen nicht vertrage, genauso wie alle ungesäuerten Milchprodukte. Mein Körper braucht irgendwie eine Menge Eiweiß und wenig KH. Ich kann die einfach nicht so gut verdauen- bekomme richtige Krämpfe. Anstatt mich weiterhin zu quälen habe ich wieder mit Fleisch angefangen. 1-2 Mal die Woche aber nur.
    Aber deshalb schließe ich für meine eine vegane Ernährung komplett aus.
    Ich kenne viele Veganer und Vegetarier und ich unterstütze deren Ansichten gegen die Massentierhaltung. Wer es macht, weil es Trend ist, der ist sehr fehl am Platz 🙂
    Ich mag deinen Artikel sehr.
    lg

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  3. Hey, mir ging es ziemlich schlecht als ich anfing als Veganerin Kraftsport zu machen. Nachdem ich mich allerdings mehr mit meinem Körper und meiner Ernährung beschäftigt habe, wusste ich was ich essen muss und vor allem wie viel davon. Ich persönlich finde die Relationen verschieben sich ziemlich als Veganer. Man braucht viel mehr davon, und weniger hiervon, zumindest war es bei mir so der Fall. Eine kurze Zeit lang habe ich mir einreden lassen, ich solle doch Fisch essen, es würde mir schnell besser gehen, war nicht der Fall. Nur wenn man sich dessen bewusst ist, was man in sich reinschaufelt, begreift man auch ob man es braucht oder nicht. Danke für den tollen Denkanstoß!

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    1. Das ist so das Allgemeinrezept wenn man Veganer ist: Iss Tierprodukte, dann wird´s dir schon besser gehen. Denn Fleisch hat ja bekanntlich Protein, Milch Calcium und Fisch Omega 3.
      Dabei, besonders aus gesundheitlichen Gründen würde ich jetzt beispielsweise kein Fleisch und Milchprodukte mehr essen wollen. Eben gerade wegen dem was da noch alles mit drin ist (Antibiotika, Eiterbakterien etc.)

      Was Kraftsport angeht, kann ich dazu nicht viel sagen. Was ich halt festgestellt habe ist, dass ich heute mehr esse als früher. Genug zu essen ist meiner Ansicht nach auch ein wichtiger Aspekt, wenn man auf eine vegane Ernährungsweise umsteigt. Denn die Kaloriendichte von Obst und Gemüse ist halt eine andere als von Eiern, Schnitzel und Käse.

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      1. Ganz genau so sieht es aus! Und bei Kraftsport musst du dir vorstellen, muss man noch bisschen mehr essen und einwenig mit pflanzlichem Protein tricksen. Ich sage immer nur weil Mensch schon immer Fleisch gegessen hat, heißt das nicht dass er auch immer Fleisch essen wird. Das nennt man Evolution. Wer nicht mitkommt, nun ja, wir wissen ja alle was mit denen passiert.

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      2. Der springende Punkt ist ja auch, dass wir aus ernährungswissenschaftlicher sowie medizinischer Sicht nicht auf Fleisch angewiesen sind. Insofern ist die Vergangenheit, ob der Steinzeitmensch mal Fleisch gegessen hat, ob es unsere evolutionäre Entwicklung begünstigt hat usw., im Prinzip irrelevant.

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  4. ja, ich empfinde es ebenso – hast du als Veganer einen Mangel oder eine Krankheit, dann heißt es gleich: das kommt vom Vegansein – oder zumindest hat das Vegansein ja nun auch nichts gebracht… es braucht nichtmal der Eisenmangel zu sein, schon bei einem Schnupfen kann man sich von besonders gut informierten Menschen eine Immunschwäche aufgrund veganer Ernährung diagnostizieren lassen 😉

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  5. Hallo,
    meine erste vegetarische Phase hatte ich als Teenager. Ich habe nach einiger Zeit gesundheitliche Probleme bekommen und bin wieder auf Fleisch umgestiegen. Ob die Probleme damals wirklich mit meinem Vegetarier-sein oder mit der Pubertät zu tun hatten, weiß ich nicht.
    Mit 20 habe ich mich entschlossen wieder vegetarisch zu leben und tue das nun seit 6 Jahren ohne Probleme. In nächster Zeit möchte ich mich auf eine vegane Ernährung umstellen. Ich habe vielfach gelesen, dass dann B12 Präperate eingenommen werden sollten. Wie handhabst Du das eigentlich?
    Gruß
    Grace

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    1. Hey,
      danke für deinen Kommentar :).
      Seit ich vegan lebe nehme ich ein Vitamin B12 Präparat von Jarrows. Das sind Kautabletten mit jeweils 1000 Mikrogramm B12. Die sind vegan und kann man einfach übers Internet z.B. bei Amazon bestellen. Da reicht es dann auch, wenn man ein paar die Woche nimmt um den B12 Bedarf zu decken :).

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