Gründe nicht vegan zu leben.


Ich denke wohl jeder kennt das Klischee des militanten, missionierenden Veganers, der anderen ständig ungefragt seine Lebensweise aufschwatzen will. Dass sowas keineswegs positive Aufmerksamkeit erzeugt, sondern vielmehr das Gegenteil, sollte wohl jedem logisch denkenden Menschen klar sein. So werfen solche Veganer dann auch nicht gerade ein positives Bild auf diejenigen, die eben nun einmal nicht so sind. Dennoch sind gerade diese, sagen wir mal oder zwei Prozent der Veganer gerne mal Aushängeschild für eine ganze Gruppe von Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen dazu entschieden haben keine Tierprodukte mehr zu konsumieren.

Da wohl jeder ein paar Argumente für eine vegane Lebensweise kennt, dachte ich mir warum das Ganze nicht einmal von der umgekehrten Seite beleuchten? Wieso nicht mal ein paar Argumente dafür anbringen warum man nicht vegan leben sollte? Schließlich heißt es ja öfter u.a. auch gerne mal besonders Veganer seien Andersessenden und Andersdenkenden gegenüber eher intolerant eingestellt. Deshalb heute mal ein paar Gründe nicht vegan zu leben:

 

vegan
1.) Es ist verdammt kompliziert.

Um vegan zu leben muss man praktisch seine ganzen bisherigen Gewohnheiten über Bord werfen und sich stattdessen neue aneignen. Viel leichter ist es dabei einfach bei Altbewährtem zu bleiben und nichts zu ändern. Der einfache Weg ist dabei nicht immer automatisch der richtige, dafür aber der deutlich bequemere.
Denn mal ehrlich, oft weiß man doch auch nicht wo man anfangen und überhaupt wie man das alles umsetzen soll. Davon abgesehen gibt es heutzutage praktisch alles nur mit Fleisch. Da ist man doch schnell mal aufgeschmissen. Und wer will schon einen knurrenden Magen?

 

lamm
2.) Der Mensch hat immer schon Tiere gegessen.

Wir sind von Natur aus auf eine mischköstliche Ernährung ausgerichtet. Somit wird nicht umsonst empfohlen die Goldene Mitte zu wählen. Von allem etwas. Ganz einfach. Etwas Fleisch, etwas Fisch, ein paar Eier, Obst, Gemüse. So haben wir Menschen das seit Urzeiten schon immer gemacht. Deshalb ist der Urmensch da auch heute ein gutes Vorbild.
Nun ja, es werden zwar in unseren Breitengraden immer nur bestimmte Tiersorten gegessen, andere wiederum empfinden wir als wenig appetitlich, wenn nicht sogar ekelig. So zum Beispiel das Essen von Pferdefleisch. In Argentinien ist das Verspeisen von Meerscheweinchen beispielsweise eine Delikatesse. Für unsereins sind diese meist putzige Haustierchen. Und Hunde würden die meisten hierzulande, anders als beispielsweise im chinesischen Yulin, wohl nie guten Gewissens verspeisen, schließlich gelten diese bei uns als „bester Freund des Menschen“.
Stattdessen demonstrieren wir hierzulande gegen das Verspeisen von Hunden, finden das Essen von Insekten oftmals abstoßend und schreiben höheren Säugern wie beispielsweise Delphinen eine Lebensberechtigung zu, denn die haben da sowas wie Grips. Aber auch wenn das vielleicht bei genauerer Betrachtung in manchen Dingen unlogisch erscheinen könnte, so stellt die Frage: Warum essen wir eigentlich immer nur ein paar bestimmte Tierarten? den Verzehr von Fleisch als Gesamtes ja noch lange nicht in Frage, nicht wahr?

 

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3.) Es gibt nicht umsonst einen Unterschied zwischen Nutz- und Haustieren.

Veganern erscheint es oftmals unlogisch, dass wir Hunde streicheln, aber Hühner und Schweine essen. Dabei muss das nicht zwangsläufig unlogisch sein. Genauso wenig wie es unlogisch ist ein Lämmchen süß zu finden, aber dessen Keulen zu essen. Davon abgesehen, dass diese Herleitung, Nutz- und Haustiere zu einem zu machen, nämlich Tieren, ist schon etwas extrem. Schließlich kann man Tiere lieben, so seine Katze zum Beispiel, aber dennoch auf den Geschmack von Fleisch stehen. Eben genauso wie mit dem Lämmchen. Klar, es ist niedlich, aber halt auch lecker, nicht? Man selektiert einfach und übernimmt das was man von seiner Umgebung anerzogen bekommen hat.
Davon abgesehen würde so eine Kuh oder ein Schwein in der Wohnung schlecht Platz finden. Bestimmte Tiere eignen sich außerdem allein schon von ihrer körperlichen Konstitution für gewisse Dinge besser als andere. Früher waren die Menschen daher um überhaupt sesshaft werden zu können von eben diesen Vorteilen gewisser Tierarten abhängig, auf dem sich heute schlussendlich die moderne Nutztierhaltung begründet. Andernfalls würden wir wohl heute noch wie die Nomaden leben nicht?

 

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4.) Das Recht des Stärkeren

Es ist wohl allgemein bekannt, dass sich immer diejenige Spezies durchsetzt, die am stärksten ist. Also diejenige, die am meisten dominiert. Für viele ist daher ziemlich klar, dass sich der Mensch an der Spitze der Nahrungskette befindet. Der sogenannte Mensch-Tier-Dualismus erlaubt es uns Dinge anders zu betrachten als es Tiere vermögen. Unsere Intelligenz hat sich sozusagen durchgesetzt. Wir waren auf dem Mond, reisen mit Flugzeugen um die Erde, benutzen Smartphones um mit einander zu kommunizieren, das meiste läuft heute auf der Basis von Technik. Die Zeiten, in denen wir uns in der Wildnis umher schlagen mussten, sind eindeutig vorbei.
Also egal wo wir heutzutage wandeln, der Mensch dominiert. Gut, das hat heute zur Folge, dass wir uns die Natur Untertan machen, statt noch mit ihr zu leben. Man könnte Moderne natürlich auch so verstehen, dass uns gerade das dazu veranlassen sollte mehr Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Aber mal ehrlich, man hat sich doch nicht sprichwörtlich „an die Spitze der Nahrungskette gekämpft“ um sich jetzt das Leben unnötig kompliziert zu machen, nicht?

 

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5.) Vegan leben ist unnatürlich.

Wir leben zwar nicht mehr in der Wildnis, sondern in beheizten Wohnungen mit allerlei Technik, nichts desto trotz waren wir einst einmal Teil des Kreislaufes der Natur. Und wie bereits gesagt, zu unserer natürlichen Ernährung gehört es nun einmal von allem etwas zu essen. Hätten wir uns damals nicht an unsere Umgebung angepasst, so auch in Form unserer Ernährung, wären wir wohl heute auch nicht die  dominante Spezies. Folglich ist es einfach unnatürlich dem Körper da zu verwehren worauf er seit jeher programmiert ist.
Synthetisch hergestellte Nahrungsergänzungen zu sich zu nehmen ist daher alles andere als natürlich. Und was natürlich ist ist ja immer gut und was unnatürlich ist meist schlecht, nicht wahr?

 

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6.) Nur in der Gruppe ist man stark.

Man kann nur dann als Otto-Normalverbraucher etwas ändern, wenn auch das Gruppengefüge stimmt. Als Einzelner daher zu kommen ist doch im Endeffekt wie das Kämpfen gegen Windmühlen. Und wer will schon gegen Windmühlen antreten? Derzeit sind laut Schätzungen des VEBU Vegetarier mit 7,8 Millionen (ca. 10 % der Bevölkerung) und Veganer mit ca. 900.000 Veganern (1,1 % der Bevölkerung) in Deutschland vertreten.

Also auch wenn es so erscheinen mag als wäre das Thema Fleischverzicht allgegenwärtig, so viel ist das nun auch nicht. Also was sollte einen da schon dazu motivieren sich gegen etwas aufzulehnen? Klar, Massentierhaltung ist nicht so prickelnd, Regenwaldabrodung, Artensterben und Klimawandel auch nicht, aber so lange sich in der Nachfrage nicht entscheiden was ändert werden so ein paar Einzelne auch nicht viel bewirken können und die Stimme eines Menschen mehr auch nicht viel ausrichten. Oder?

 

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7.) Massentierhaltung ist eine logische Sache.

Vielen ist es unverständlich wie man Tiere so halten kann wie heute weitläufig praktiziert. Dabei ist das doch logisch. Ein Beispiel: Wohin mit den ganzen männlichen Küken, die keine Eier legen, sich aber auch für die Mast nicht eignen? Wohin mit dem Überschuss?
Oder: Damit Kühe Milch geben müssen sie natürlich jedes Jahr ein Kalb gebären. Wie sonst an die Milch kommen? Und was sollte man auch sonst mit den Kälbern machen, als sie zur Mast verwenden oder ebenfalls zur Milchproduktion zu nutzen? Auch hier wäre der Überschuss irgendwann ein massives Problem, oder nicht?
Wie soll man also die heute geforderte Anzahl solcher Produkte produzieren, ohne solche Prozedere dahinter? In der Masse geht das doch gar nicht anders.
Zu guter Letzt möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass Teile der hier aufgeführten Argumente einen gewissen Sarkasmus beinhalten. Doch mal ehrlich, was spricht eurer Meinung nach gegen eine vegane Lebensweise? Oder wie reagiert ihr, wenn euch solche oder andere Argumente begegnen?

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3 Kommentare zu „Gründe nicht vegan zu leben.

  1. Ein grossartiger Beitrag. Vielen lieben Dank.
    „Ich will kein Aussenseiter sein“ habe ich letztens mal als Argument gegen Veganismus gehoert. Damit macht man es Gastgebern angeblich so schwer und man ist eigentlich nicht mehr sozial kompatibel.
    Als ich zu einer Freundin sagte, dass ich glaube, dass Fleisch essen irgendwann genauso abwegig sein wird wie Kannibalismus, verwies sie auf „die Chinesen“ und „die Amerikaner“, die alle noch viel schlimmer sind und niemals zu der Einsicht kommen werden. Also, „Es wird in alle Ewigkeit Fleisch gegessen, warum sollte ICH also jetzt damit aufhoeren“ spricht auch eindeutig gegen vegane Ernaehrung. 😉
    Ich schwanke noch, ob ich das lustig, traurig oder einfach nur daemlich finden soll. Liebe Gruesse, Silke

    Gefällt 3 Personen

    1. Sozial inkompatibel ist auch echt krass :D. Mein Chef erklärte mir, dass veganismus umweltfeindlich sei. Der Gemüseanbau würde viel mehr Ressourcen verschwenden als Viehzucht, da man von Gemüse mehr essen müsse um satt zu werden. Äh — nee — ist kar. Dass das Vieh auch essen müsse überraschte ihn,änderte aber nichts an seiner Ressourcenbilanz.

      Punkt 1 ist ja ganz nett, allerdings lebten die Menschen immer da vegan wo es das Klima zuließ. Die Aborigines z.B. lebten vegan bis sie ins Landesinnere vertrieben wurden. Das Gebissargument ist ein Kann, kein muss.

      Toller Beitrag!

      Gefällt 2 Personen

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