Die Sache mit dem Cholesterin…

Immer mal wieder geht es durch die Medien, dass der Konsum von cholesterinhaltigen Lebensmitteln wie Käse, Eier oder Fleisch, kein gesundheitliches Risiko in sich berge. So wird an mancher Stelle dann die Meinung vertreten, dass wir mehr Fette und Protein zu uns nehmen sollten, dafür lieber die Menge an Kohlenhydraten reduzieren sollten.
Etwas verwirrend. Denn an anderer Stelle heißt es wiederum man solle möglichst nicht zu viele cholesterinhaltige Lebensmittel konsumieren, denn diese erhöhen das sogenannte schlechte LDL-Cholesterin sowie den Gesamt-Cholesterinwert und fördern damit die Entwicklung von Arteriosklerose sowie Herzerkrankungen. „Die Sache mit dem Cholesterin…“ weiterlesen

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Ist „SuperMeat“ vielleicht die Zukunft? Oder: Wie wäre es, wenn man Fleisch essen könnte, ohne dass dafür ein Tier sterben müsste?

Fleisch war seit jeher Bestandteil unserer Ernährung. Der Mensch ist schließlich ein Allesesser und dementsprechend wird es sicher den einen oder anderen geben, der sich auf eben diese Natur bezieht oder einfach so Fleisch essen will. Na ja, wenn da nicht die Sache mit der Tierhaltung wäre. Und die Sache mit der Umwelt – Regenwaldabrodung, Überdüngung durch zu viel Gülle, Todeszonen und so. Die Sache mit dem Resourcenverbrauch – 15000 Liter Wasser, ganz schön viel für nur 1 Kilo Rindfleisch… Und damit einhergehend die Sache mit dem Bevölkerungswachstum und die Frage wie diese ganzen Menschen nur satt werden sollen? „Ist „SuperMeat“ vielleicht die Zukunft? Oder: Wie wäre es, wenn man Fleisch essen könnte, ohne dass dafür ein Tier sterben müsste?“ weiterlesen

Von Pflanzenethik. Oder: Sind Pflanzen leidensfähig?

Es ist ja u.a. so ein allgemeiner Brauch unserer Gesellschaft, dass wir Menschen uns zu bestimmten Anlässen Blumen schenken. Genauso wie es eigentlich normal ist, dass wir auch Pflanzen in Form von Obst und Gemüse essen.
Nun wird gegenüber Veganern das eine oder andere Mal jedoch erwähnt, dass Pflanzen ja auch Lebewesen seien und dass es insofern inkonseqent sei auf das Wohl von Tieren Wert zu legen, doch auf das von Pflanzen nicht. So wird manch einer dann tatsächlich zum selbsternannten Pflanzenschützer. „Von Pflanzenethik. Oder: Sind Pflanzen leidensfähig?“ weiterlesen

Was kann man als Veganer überhaupt noch essen? #6

Wer kennt eigentlich nicht den Spruch: Take 5 a day?

So heißt es von Seiten diverser Ernährungsgesellschaften, so beispielsweise der DGE, man soll 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag essen. 5 Portionen, die in eine Hand passen. Und davon sollten dann 3 aus Gemüse und 2 aus Obst bestehen.
Eigentlich sollte das ja nicht so schwer sein. Möchte man meinen. Doch die Realität ist, dass wir viel zu wenig Grünzeug zu uns nehmen.

Stattdessen leben wir heute in einer Zeit, in der uns beispielsweise eingeredet wird Kohlenhydrate würden dick machen. Und so prügelt sich dann eine Lowcarb-Diät nach der anderen um den Spitzenreiterplatz in Sachen Abnehmversprechen. Da haben es die täglichen 5 am Tag dann ziemlich schwer.

Jedenfalls, wenn einem jemand erzählt, dass man so viel „gutes“ Fett und Protein essen kann wie man will, alles was man reduzieren muss sind unliebsame Kohlenhydrate (enthalten in Obst, Kartoffeln, Reis, Getreide usw,), dann ist das etwas, das sich gut verkauft. Leider.
Weil es ja auch der Reis oder die Kartoffeln oder das Obst sind, die für Übergewicht verantwortlich sind. Nicht etwa eine Vielzahl anderer Gründe wie zu wenig Bewegung, Junkfood oder Softdrinks wie Cola, eine einseitige Ernährung, ein fehlendes Sättigungsgefühl, ein gestörtes Essverhalten usw. Und es ist ja auch nicht so, dass unsere Gesellschaft nicht schon genug Fleisch und Tierprodukte essen würde…

Einer dieser fragwürdigen Trends aus der Paleo/Keto-Szene momentan ist beispielsweise Bulletproof Kaffee.
Habt ihr schon mal davon gehört?
Das ist frisch gebrühter Kaffee mit Butter (vorzugsweise von grasgefütterten Kühen) und u.a. Kokosnussöl.

Butter in Kaffee… Also, allein bei der Vorstellung stellen sich mir die Nackenhaare auf. Es fehlt nur noch, dass einem geraten wird Butter gleich komplett roh zu essen. Oder Öl aus der Flasche zu trinken.

Ich kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Insbesondere wenn es um den gesundheitlichen Aspekt geht.

Im Prinzip ist das alles doch ganz einfach, denn alles was man tun muss ist seinen gesunden Menschenverstand zu befragen.
Was ist wohl gesünder: Kaffee mit Butter und Öl oder eine Schale Obst? – Speck mit Käse überbacken oder Reis mit Gemüse?

Ich jedenfalls bevorzuge es bunt :).

Von daher viel Spaß bei einem weiteren Einblick in meine Küche ;)!

FRÜHSTÜCK

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5 Bananen und 10 Mandarinen
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Bananen-Orangen-Smoothie mit Granatapfel
Muesli
Früchtemüsli mit Apfelmus, Banane, Kaki, Chia Samen und Kokosflocken
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5 Bananen, 500g rote Trauben und frisch gepresster Orangensaft
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Mono-Meal: 10 Bananen
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7 Bananen, 12 Mandarinen und 4 Orangen
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4 Bananen, 500g rote Trauben, 15 Datteln und 12 Mandarinen

 

MITTAGESSEN

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Chili sin carne mit rohem Hokaido, einem halben Ciabatta-Brot, Avocado und Feldsalat mit Tomaten und Oliven
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Im Ofen gebackene Kartoffeln mit Mango-Curry-Soße und einem Salat aus Spinat, Mungobohnen, Avocado, Walnüssen mit Balsamicocreme
Nudeln mit Soße
Reisnudeln mit Kichererbsen-Curry-Soße und Prinzessinenbohnen
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Spaghetti mit Hokaido-Ruccola-Pesto
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Bratkartoffeln mit „Chick´n“Nuggets und Senf
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Rosmarin-Kartoffeln mit Bratpaprika, Champignons und veganer Majo

 

ABENDESSEN

Salat2
Weißer Bohnen-Salat mit Granatapfel
Rührei_Spinat
Veganes Rührei mit Spinat
Sushi2
Veganes Sushi
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Salat aus Kichererbsen, Avocado und Kürbiskernen mit einem Dressing aus Reisessig, Sojasoße und Zucker
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Brötchen mit Tomatensoße, Pilzen, Zucchini und Oliven mit Avocado und Bratpaprika

 

SNACKS

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Rohkost-Bar von „Lebe Pur“
Mousse2
rohvegane Mousse au chocolat
Cashew-Kakao-Creme
Cashew-Kakao-Creme
Kaki
Kakis
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roher Kokos-Konfekt

Vegane Ernährungskonzepte – was ist die beste Art sich vegan zu ernähren? High carb, Low carb, Raw till 4, 80/10/10…?

Im veganen Universum gibt es mittlerweile so einige Ernährungskonzepte. So viele, dass eigentlich für so gut wie jeden was dabei sein müsste.

Anfangen bei Raw till 4, High Carb, Low Carb, Pegan, Starch solution, rohvegan, 80/10/10, vollwertig bis hin zu puddingvegan.

Persönlich verfolge ich kein bestimmtes Ernährungskonzept. Ich esse einfach worauf ich Lust habe. Hauptsächlich Obst und Gemüse, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Getreide. Ab und zu esse ich auch mal Süßigkeiten, trinke ein RedBull und esse auch mal ein Sojaschnitzel. Das einzige worauf ich achte ist, dass ich nach Möglichkeit jeden Tag grünes Gemüse in meine Ernährung integriere, nicht zu viel Öl verwende und zum Salzen jodiertes Salz benutze.

Ich würde mich da eher als Durchschnittsveganer bezeichnen. Es gibt aber andere, die sind von einer bestimmten Form der veganen Ernährung im Besonderen überzeugt. Und weil es da so einige verschiedene Konzepte gibt, möchte ich hier mal die gängigsten vorstellen.

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Raw till 4

Sehr bekannt und promotet bzw. erfunden von der Youtuberin „Freelee the banana girl“ und ihrem Lebensgefährten „Durian Rider“.

Die Regeln sind im Grunde ziemlich einfach: Man isst morgens und mittags roh, vorzugsweise frisches Obst (und davon nicht zu wenig), und abends dann eine warme Mahlzeit basierend auf Nudeln, Reis oder Kartoffeln. Vegan versteht sich. Fettarm, salzarm und ohne verarbeitete Fertigprodukte. Man kann so viel essen wie man will. Es gibt kein Kalorienlimit.
Empfohlen wird als Frau 2000-2500 kcal und als Mann 2500-3000 kcal zu sich zu nehmen. Die meisten Kalorien sollten dabei vor allem zum Frühstück sowie zum Mittagessen konsumiert werden. Und nach dem Abendessen sollte nach Möglichkeit auch kein Obst mehr konsumiert werden, da das, laut Freelee, zu Verdauungsproblemen führen könnte.Ich finde das Konzept eigentlich ziemlich ansprechend. Es ist einfach und auch im Alltag gut umzusetzen. Man ernährt sich möglichst clean, also unverarbeitet, es gibt auch keine Kalorienrestriktion und man isst viel frisches Obst und Gemüse.
Man kann auch mal abends mit Freunden in ein Restaurant gehen und was Warmes essen. Nudeln, Lasagne, auch Pizza ist möglich. Man kann also die gesamte Bandbreite der veganen Küche genießen. Nur eben Low fat. Also Nüsse und Avocado und Öl sind wenn, dann nur in geringen Mengen zu konsumieren.
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80/10/10

80/10/10 beschreibt ein rohveganes, High Carb – low fat Ernährungskonzept von Ernährungsberater Dr. Douglas Graham.
Kurz gesagt geht es darum 80% Kohlenhydrate, 10% Protein und 10% Fett zu sich zu nehmen. Und das alles roh. Also keine gekochten Mahlzeiten und eben fettarm. Anzumerken ist auch, dass diese Ernährungsweise vorwiegend früchtebasierend ist.Rohkost hat gewisse Vorteile. Denn beim Erhitzen bestimmter Lebensmittel gehen oftmals bestimmte Anteile an Vitaminen verloren. Obst ist auch ein schneller Energielieferant und leicht zu verdauen bzw. zu verstoffwechseln.Ich denke ein Punkt, der bei dieser Ernährungsform anzumerken ist, ist, dass man gerade bei Rohkost größere Portionen essen sollte. Einfach deshalb, weil Obst und Gemüse in roher Form eine geringere Kaloriendichte haben.
Ein weiterer Punkt ist auch die soziale Interaktion mit anderen. Denn oftmals bietet sich auswärts, sprich im Job oder Restaurants, auf Reisen usw. nicht so wirklich die Möglichkeit an frisches Obst und Gemüse zu kommen (es sei denn man versorgt sich selbst). Doch vor allem in ausreichenden Mengen. So ein kleines Schüsselchen Obstsalat oder zwei Mandarinen werden ihren Zweck da nicht erfüllen.
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Starch solution

Starch solution ist ein veganes Ernährungskonzept von Dr. John McDougall.
Die Hauptenergiequellen dieser Ernährungsweise sind stärkehaltige pflanzliche Lebensmittel. Dazu zählen Kartoffel, Reis, Quinoa, Süßkartoffeln, Hirse und Haferflocken. Dazu wird dann viel Gemüse gegessen. Bei Obst gibt es keine Beschränkung, aber es wird empfohlen die Portionen auf fünf zu beschränken, weil Obst keine langkettigen Kohlenhydrate sind. Das bedeutet man hat nach dem Verzehr von Obst schneller wieder Hunger, da der Zucker direkt in die Blutbahn gelangt.Eine bestimmte Kalorienempfehlung gibt es nicht. McDougall empfiehlt sich einfach satt zu essen. Aber es sollten schon mind. 2000 Kalorien bei Frauen und 2500 bei Männern sein, einfach um die nötige Nährstoffaufnahme zu gewährleisten.Der Vorteil bei einer stärkebasierenden Ernährung ist eindeutig, dass man sich länger satt fühlt. Davon abgesehen sind stärkebasierende Lebensmittel wie Kartoffeln, Reis und Haferflocken, genauso wie Gemüse sehr günstig. Und daraus lassen sich auch jede Menge einfache, leckere Gerichte zubereiten und das über das ganze Jahr verteilt.
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Pegan

Hört sich etwas komisch an, ist aber eine Verbindung aus vegan (mit geringen Fleischanteilen… je nach Auslegung) und Paleo. Also Steinzeitdiät auf vegan“isch“, konzipiert von Dr. Mark Hyman.

Die Regeln sind im Grunde schnell erklärt:
Man isst keine raffinierten Kohlenhydrate, dafür Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse. Desweiteren sollten 50 bis 70 Prozent der Ernährung aus Gemüse bestehen. Man sollte auch weitestgehend auf pflanzliche Öle verzichten. Olivenöl ist okay. Ansonsten sollte man primär auf Fette aus Nüssen und Avocados zu sich nehmen.Bei der Paleo-Ernährung steht Fleisch ja im Fokus. Beim Veganismus wird das vollkommen weggelassen. Pegan macht das so einen Kompromiss. Denn Fleisch sollte, wenn dann nur die Beilage sein. Desweiteren werden auch keine Milchprodukte und kein Vollkorngetreide konsumiert. Und auch nicht zu viele Hülsenfrüchte, denn die können zu Verdauungsproblemen führen. Und selbstverständlich sollte auch raffinierter Zucker und Zusatzstoffe aus der Ernährung verbannt werden. Honig ist aber als Süßungsmittel gestattet.

Warum nehme ich hier dieses pegane Ernährungskonzept mit auf? Na ja, zum Einen weil es eine vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung ist und man Fleisch dabei auch gut weglassen kann. Und zum anderen, weil es vielleicht auch sich mischköstlich ernährende Leser gibt, die dieses Ernährungskonzept ganz ansprechend finden.

Gut finde ich, dass hierbei, entgegen zu Paleo, auf eine pflanzenbasierende Ernährung gesetzt wird und Fleisch dabei eher eine Nebenrolle, statt eine Hauptrolle spielt. Auch das Weglassen von Zucker und Zusatzstoffen hat einige gesundheitliche Vorteile.
Insgesamt, würde sich der Großteil unserer Gesellschaft genau so ernähren, hätte das so einige Vorteile. Nur was das Thema Vollkorngetreide und dessen Negativgehype angeht, habe ich etwas andere Ansichten. Doch wenn man eine Glutenunverträglichkeit hat oder Getreide für ungesund befindet, dann könnte das durchaus was sein. Und als Veganer kann man das Fleisch ja auch einfach weglassen.

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Low carb vegan

Ich bin ja absolut kein Low carb Fan. Denn Low carb steht meist für eine sehr tierproduktlastige Ernährung. Und würde sich jeder so ernähren wollen, bräuchten wir ziemlich schnell eine zweite Erde. Alles nicht besonders prickelnd.

Doch low carb geht auch auf vegan.

Bei dieser Form der Ernährung wird vorwiegend auf diese Produkte verzichtet:
Brot und Brötchen, vor allem aus Weissmehl. Teigwaren wie Nudeln und Lasagne, weißer Reis, verarbeitete Kartoffelprodukte wie Kartoffelpüree, Kuchen, Gebäck, Kekse, Süßigkeiten, gezuckerte Getränke wie Cola und Limonade und Obst aus der Dose.

Nur in Maßen verzehrt werden sollten:
Kartoffeln, Früchte, Pseudogetreide wie Quinoa, Mais, Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis usw.

Erlaubt sind dem entgegen:
Gemüse aller Art, Salate, Sprossen, Algen, Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Kichererbsen, weisse Bohnen, Kidneybohnen usw.), Nüsse, Nussmus, Pilze, Lupinenprodukte, Tofu und Produkte aus Tofu oder Tempeh, Sojaprodukte wie Sojajoghurt und Sojasahne, Mehle wie Lupinenmehl, Kichererbsenmehl, Hanfmehl, Nussmehle und pflanzliche Proteinpulver für Shakes usw.

Das Prinzip von Lowcarb erlaubt einem eine gute Gewichtsreduktion, denn das Prinzip Fett bzw. Protein als primären Energielieferanten zu nutzen funktioniert.
Die vegane Version davon hat auch hinsichtlich Faktoren wie Tierhaltung, Umwelt und Ressourcenaufwendung einige Vorteile. Also, wenn man mittels Lowcarb abnehmen will, dann kann die vegane Version davon durchaus eine Alternative sein. Diese Low carb Version hat meiner Ansicht nach auch einige gesundheitliche Vorteile gegenüber der mit vielen Tierprodukten.

Einziger Nachteil könnte sein, dass man auf gewisse Dinge verzichten muss wie jetzt zum Beispiel Nudeln, Lasagne oder gewisse Kartoffel- und Reisgerichte, was die Auswahl auswärts etwas einschränken kann. Ansonsten, wenn man gerne in der Küche hantiert, gibt es da durchaus einige leckere Alternativen.


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Fazit

Ich habe noch nie eine dieser Ernährungskonzepte ausprobiert. Ich möchte die Art wie ich mich momentan ernähre so auch beibehalten. Was ich mir aber durchaus vorstellen könnte, wäre es mich mal testweise komplett roh zu ernähren. Vielleicht nicht 80/10/10 (dafür mag ich Avocados und Nüsse zu sehr), doch in einer abgewandelten Form.

Doch genug von mir, denn mich würde eure Meinung interessieren ;).

Welche dieser Ernährungsformen habt ihr schon getestet? Was sind eure Erfahrungen? Oder welche würdet ihr denn gerne mal ausprobieren?

Lowcarb – machen Kohlenhydrate wirklich dick?

low-carb-pyramideSeit ich vegan lebe und begonnen habe mich näher mit meiner Ernährung zu beschäftigen, habe ich auch damit begonnen mich mit anderen Ernährungsformen auseinander zu setzen. Ich wollte einfach wissen was genau hinter den verschiedenen Diäten steckt, wie sie funktionieren, aber auch der gesundheitliche Aspekt hat mein Interesse geweckt.

Ernährung ist ein ziemlich breitgefächertes Thema. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse. Oder alte, bereits dagewesene werden einfach neu verpackt und wieder auf den Markt geworfen. So wie zum Beispiel Lowcarb.

Besonders in letzter Zeit beobachte ich, dass dieses Konzept zunehmend wieder am Kommen ist. Zumindest erlebe ich wie immer mehr Menschen in meiner Umgebung davon sprechen, dass sie, um abzunehmen, mehr auf Kohlenhydrate achten wollen/müssten/sollten und so weiter. Dagegen ist ja erst einmal nichts einzuwenden. Erschreckend jedoch finde ich es, wenn dieses Kohlenhydratverteufeln jedoch kroteske Züge annimmt. Zum Beispiel dann, wenn mir jemand erzählt sie esse überhaupt kein Obst mehr, wegen dem Zucker, der da drin ist. Oder wenn sich der Glaube hält der Mensch bräuchte überhaupt keine Kohlenhydrate, weil der Mensch ja aus Fett Energie gewinnen kann.

Kleine Exkursion an dieser Stelle: Ja, unser Körper kann auch aus Fett Energie gewinnen (was dahinter steckt, dazu komme ich etwas später). Nichts desto trotz, unser Hauptenergielieferant sind Kohlenhydrate. Oder besser gesagt die daraus gewonnene Glucose. Denn unser gesamter Körper, egal ob unsere Muskeln oder unser Gehirn (das ist für uns Menschen besonders wichtig, denn unsere Denkleistung ist das, was uns von anderen Tieren unterscheidet) laufen primär auf Glucose.
Warum, wenn wir Kohlenhydrate nicht bräuchten, sollte die Natur es so geregelt haben, dass wir sozusagen auf Glucose laufen?
Wenn wir Kohlenhydrate nicht bräuchten oder wenn die schlecht für uns wären, hätte die Natur unsere Physiologie anders konzipiert.

Foto-553x345Was mir jedoch bei Lowcarb Diäten am meisten aufstößt ist, dass dabei vermehrt Tierprodukte wie Fleisch, Käse und Eier konsumiert werden und das in einem weitaus höheren Ausmaß als bei einer normalen Mischkosternährung. (Der durchschnittsdeutsche Mischköstler isst ca. 65 Kilo Fleisch im Jahr. Da kann sich jeder selbst ausrechnen was die Leute mit Lowcarb an Fleisch und sonstigen Tierprodukten so konsumieren, wenn das sozusagen den Hauptanteil der Ernährung ausmacht).Jedenfalls fördert dieser Mehrkonsum an Tierprodukten nicht nur Umweltschäden (Vermehrter CO2 Austoß, Regenwaldabrodung, Nitratbelastung des Grundwassers uvm.), verursacht durch Massentierhaltung, sondern auch die Massentierhaltung selbst und damit einhergehend eben Tierleid.
Ich finde, wenn man sich auf diese Weise ernährt, dann sollte man sich dessen einfach bewusst sein. Lowcarb dient primär  dem eigenen Vorteil, eben dass man dadurch schnell abnimmt, es schadet aber der Umwelt, den Tieren und ja, auch Menschen.

Besonders bekannt geworden ist das Prinzip der Lowcarb Diäten durch den Kardiologen Dr. Robert Atkins, der in den 1970er Jahren sein Buch „Die Atkins Diät“ veröffentlichte. So fand er heraus, dass man abnehmen konnte, indem man die Anzahl der Kohlenhydrate in seiner Ernährung reduzierte und an anderer Stelle durch Fett aufstockte. Gerade weil es ursprünglich immer hieß Fett würde dick machen, war das wie eine Revolution. So schien es, dass die Patienten von Atkins, denen er seine Diät empfohlen hatte, wie durch Zauberhand abnahmen und dabei so viel essen konnten wie sie wollten.
Es war alles erlaubt. was Fett und Protein beinhaltet. Von Sahne, über Butter, Eier, Käse, Speck, bis hin zu Fleisch mit fettiger Soße. Kohlenhydrate wie Brot, Kartoffeln, Reis, ja, auch einige Obstsorten, galt es hingegen stark zu reduzieren.
Atkins riet auch Vitamine und Mineralstoffe durch Nahrungsergänzungsmittel zu ersetzen, da seine Diät sonst zu Mangelerscheinungen führen konnte. 

Auch heute funktionieren eigentlich alle Lowcarb Diäten nach dem gleichen Prinzip, nur mal mehr, mal weniger streng. Und diese Diäten sind nicht umsonst so beliebt. Denn, wie gesagt, sie dienen primär dem eigenen Vorteil, denn man kann damit in kürzester Zeit schnell abnehmen. Und das ganz ohne sich im FItnessstudio abplagen zu müssen.
Im Prinzip verkauft sich alles was schnelle Erfolge verspricht. Denn genau das ist es was die meisten wollen. Schnelle Ergebnisse, ohne viel Mühe.

Das Prinzip warum das mit Lowcarb so gut funktioniert ist schnell erklärt. Denn, wird die Zufuhr von Kohlenhydraten in der Ernährung reduziert und stattdessen mehr Fett gegessen, bedient sich der Körper des Prinzips der Gluconeogenese.
Wenn der Körper keine Kohlenhydrate mehr bekommt oder nur ganz wenig davon und wenn die Glykogenspeicher in Leber-, Muskel- und Fettzellen aufgebraucht sind, bedient sich der Körper am körpereigenen Fett. Das wandelt er dann als Glucoseersatz in Ketonkörper um. Und dadurch nimmt man dann ab, weil der Körper gespeichertes Fett abbaut, um Energie zu liefern.
Der Körper denkt praktisch er sei in einem Hungerzustand und baut dadurch das körpereigene Fett ab.

Gerade durch die Verbreitung dieser Diäten in den Medien sowie die schnell zu erzielenden Ergebnisse haben diese Ernährungskonzepte einen sichtlichen Erfolg. Doch sie bergen auch gesundheitliche Risiken (dazu komme ich weiter unten noch).

Zuerst aber zu der eigentlichen Frage und zwar. Machen Kohlenhydrate wirklich dick?

Unser Körper bezieht seine Energie zum Einen aus Kohlenhydraten, dann kann er auch aus Fett und zuletzt auch aus Proteinen Energie gewinnen. Physiologisch betrachtet und, wie bereits erwähnt, ist der Hauptenergielieferant unseres Körpers Glucose, aufgespalten aus Kohlenhydraten. (Allein die Neuronen in unserem Gehirn laufen ausschließlich auf Glucose und Sauerstoff. Also, unser Gehirn braucht Glucose.)
Nehmen wir also Kohelnhydrate über Nahrung auf, kommen Enzyme, die die Mehrfachzucker in Einfachzucker (Glucose) aufspalten hinzu, wodurch die Glucose dann in unsere Zellen gelangt und uns Energie liefert. Haben wir aber einen Überschuss an Glucose, für den gerade kein Bedarf besteht, wird dieser in Fett umgewandelt.
Nichts desto trotz ist auch die Kombination in der Ernährung entscheidend. Wenn man Kohlenhydrate mit Fett kombiniert, führt das langfristig gesehen natürlich zu Gewichtszunahme. Ideales Beispiel hierfür wäre wohl der Burger mit Pommes und Majo.Und dazu eine Cola. Dass das nicht gerade gesund ist und zu Gewichtszunahme führen kann, kann sich wohl jeder selbst denken.
Wenn man aber Kohlenhydrate mit Protein und wenig Fett kombiniert, so birgt das keine fetteinlagernden Risiken in sich.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht sich in ihren Empfehlungen für eine mischköstliche Ernährung so aus, dass sich diese aus 55% Kohlenhydraten, 30% Fett und 15% Proteinen zusammensetzen sollte.
Das Fundament der Empfehlungen bilden hierbei vorrangig Obst und Gemüse sowie Getreide, sprich Kohlenhydrate. Fleisch und Wurstwaren sollten hierbei nicht mehr als 300 bis 600g pro Woche ausmachen.

Insofern, wenn man sich als Mischköstler gesund ernähren möchte, würde ich raten sich lieber an die 10 Regeln der DGE zu halten, statt eine Lowcarb Diät zu praktizieren. Denn Lowcarb Diäten bergen viele gesundheitliche Risiken. Von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, über einen erhöhten Cholesterinspiegel, Diabetes mellitus Typ 2 (nicht nur Kohlenhydrate, sondern auch Fett, entweder durch ein Zuviel in der Ernährung oder Übergewicht können zu einer Insulinresistenz führen, wodurch Diabetes entstehen kann), Nierenschäden wie beispielsweise die Bildung von Nierensteinen, bis hin zu Arteriosklerose und Schlaganfall.
Besonders sehr strenge Formen der Lowcarb Diät bergen ein erhöhtes, gesundheitliches Risiko in sich.

An sich machen Kohlenhydrate nicht dick. Zumindest unverarbeitete Kohlenhydrate, verarbeitete Kohlenhydrate wie Schokolade, Weißbrot und Pommes sollte man eher in Maßen genießen. Gesündere Alternativen sind Obst, Vollkornbrot und beispielsweise im Ofen gebackene oder gekochte Kartoffeln. Insofern macht es auch einen wesentlichen Unterschied welche Form von Kohlenhydraten man zu sich nimmt. Eigentlich kann man sich das auch logisch denken. Schokolade, Chips und Bonbons sind nicht gerade gesunde Kohlenhydratquellen.
Wenn mir also jemand erzählt er äße kein Obst mehr (das kam wirklich schon vor), weil das schlecht sei, dann frage ich mich manchmal schon wo da der logische Menschenverstand geblieben ist. Denn, wenn ich früher überlegt habe was ich unter einer gesunden Ernährung verstehe, dann kamen mir da primär Obst und Gemüse in den Sinn. Und auch heute, wenn andere sehen was ich manchmal zum Essen dabei habe oder gerade esse, folgen oft Kommentare wie, dass ich mich ja besonders gesund ernähre. Also möchte man meinen, dass der gesunde Menschenverstand eigentlich schon die Annahme vertritt, dass Grünzeug gesund und gut für uns ist.

Gerade als Veganer nimmt man meist mehr Kohlenhydrate zu sich als durch die DGE empfohlen. Meine Ernährungsweise setzt sich im Durchschnitt aus 70% Kohlenhydraten, 20% Fett und 10% Protein zusammen. Würden Kohlenhydrate dick machen, müsste ich schon längst einiges an Gewicht zugelegt haben. Studien zufolge ist aber eher das Gegenteil der Fall. Je mehr Obst und Gemüse eine Ernährungsweise beinhaltet, desto geringer der BMI der Probanten.
Außerdem, wenn Nudeln, Kartoffeln, Reis, Brot und Obst wirklich dick machen würden, ich glaube Veganer müssten dann am übergewichtigsten von allen sein.

Auch auf lange Sicht gesehen hat eine Ernährungsweise wie Lowcarb keine signifikanten Vorteile im Gegensatz zu einer Ernährungsweise mit wenig Fett. Das gesündeste Rezept, wenn man abnehmen und sein Gewicht dauerhaft halten möchte ist und bleibt immer noch der altbewährte Weg: Eine dauerhafte, gesunde und ausgewogene Ernährungsumstellung und ausreichend Bewegung.

Die Behauptung, dass Kohlenhydrate schlecht seien und dick machen würden, kann ich so also nicht unterschreiben. Verarbeitete Kohlenhydrate durch unverarbeitete Kohlenhydrate zu ersetzen macht durchaus Sinn. Nichts desto trotz, allein die Tatsache, dass unsere Zellen auf Glucose laufen, sollte eigentlich Indiz genug sein, dass Kohlenhydrate uns nicht schaden.

Doch von alledem abgesehen, was mich gerade in Bezug auf den gesundheitlichen Aspekt am meisten stört ist, dass die Autoren oder Entwickler dieser Diäten praktisch langfristig mit der Gesundheit ihrer Kunden spielen. Denn so gut wie alle unsere Zivilisationskrankheiten – Herzerkrankungen, Diabetes, Hypertonie, Arteriosklerose usw. – sind ernährungsbedingt. Und das garantiert nicht deshalb, weil diese Menschen zu viel Obst und Gemüse essen oder sich an die Empfehlungen der DGE oder WHO (Weltgesundheitsorganisation) halten.
Ich muss an dieser Stelle sagen, wir Deutschen essen wirklich zu wenig Obst und Gemüse. Die DGE empfiehlt, dass Kohlenhydrate 55% unserer Ernährung ausmachen sollen. Tatsächlich bringt es der Durchschnittsdeutsche auf gerade mal 42-45%.
Von daher essen wir sowieso schon zu wenig Obst und Gemüse. Und dann erzählen solche Lowcarb Diäten den Leuten sie sollen noch weniger davon essen.

Ob das gesund ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Mein Fazit jedenfalls ist:
Wenn man sich gesund und ausgewogen ernährt, machen unverarbeitete Kohlenhydrate nicht dick. Es macht auch Sinn auf verarbeitete Kohlenhydrate wie Chips, Schokolade und Cola zu verzichten.
Nichts desto trotz, aus gesundheitlicher, doch insbesondere aus sozial-ökologischer Sicht halte ich eine Lowcarbernährung mit vielen Tierprodukten für alles andere als empfehlenswert.