Die Sache mit dem Cholesterin…


Immer mal wieder geht es durch die Medien, dass der Konsum von cholesterinhaltigen Lebensmitteln wie Käse, Eier oder Fleisch, kein gesundheitliches Risiko in sich berge. So wird an mancher Stelle dann die Meinung vertreten, dass wir mehr Fette und Protein zu uns nehmen sollten, dafür lieber die Menge an Kohlenhydraten reduzieren sollten.
Etwas verwirrend. Denn an anderer Stelle heißt es wiederum man solle möglichst nicht zu viele cholesterinhaltige Lebensmittel konsumieren, denn diese erhöhen das sogenannte schlechte LDL-Cholesterin sowie den Gesamt-Cholesterinwert und fördern damit die Entwicklung von Arteriosklerose sowie Herzerkrankungen.

Bei diesen unterschiedlichen Aussagen weiß man dann wiederum nicht mehr was man eigentlich noch glauben soll. Vor allen Dingen, wenn Medien verlauten lassen man habe herausgefunden cholesterinhaltige Lebensmittel schaden uns nicht, dann machen sich nur die wenigsten die Mühe das ganze einmal genauer zu betrachten und somit auch zu hinterfragen. Schließlich heißt es in solchen Artikeln ja, es bestünde kein Zusammenhang zwischen dem Konsum gesättigter Fettsäuren und der Erhöhung den menschlichen  Cholesterinspiegels. So gibt es dann, hier zum Beispiel in Bezug auf den Konsum von Eiern, mitunter Studien wie diese hier: Quelle, die folgendes sagen:

„Overall, summary associations show no clear association between egg intake and increased or decreased risk of CHD.“

zu deutsch: „Es besteht keine eindeutige Verbindung zwischen dem Konsum von Eiern und einem erhöhten oder erniedrigten Risiko für Koronare Herzerkrankungen.“

Eine weitere Studie wiederum: Quelle, sagt jedoch etwas vollkommen anderes, nämlich:

„Dietary cholesterol increases blood cholesterol concentrations“…. „Despite the widespread enthusiasm with the original statement of the 2015 Dietary Guidelines Advisory Committee Report, it remains prudent to advise patients to significantly limit intake of dietary cholesterol in the form of eggs or any high-cholesterol foods to as little as possible“

zu deutsch: „Durch Essen aufgenommenes Cholesterin erhöht den Cholesterinspiegel im Blut … Trotz der weit verbreiteten Begeisterung durch das Original-Statement des  Dietary Guidelines Advisory Committee Reports von 2015, bleibt es dabei Patienten zu empfehlen die Aufnahme ernährungsbedingten Cholesterins in Form von Eiern oder anderen cholesterinhaltigen Speisen so gering wie möglich zu halten. „

Was soll man nun glauben? Besteht nun ein Zusammenhang zwischen dem Konsum gesättigter Fettsäuren und Cholesterin, oder nicht? Und wird dadurch nun das Risiko für Arteriosklerose und Herzerkrankungen gefördert, oder nicht?

Fakt ist: Liest man, man könnte beispielsweise bedenkenlos Eier essen und das hätte keine negativen Auswirkungen auf die eigene Gesundheit, dann verbreitet sich diese Information wie ein Laubfeuer. Hierzu gibt es dann auch einzelne Ernährungsformen, die sich diese Positiv-Informationen zum Thema Cholesterin zu Eigen machen und damit die Lowcarb sowie Keto-Agenda nach vorne zu treiben. So wird der Hintergrund dieser Ernährungsweisen und warum diese letzten Endes als gesund angesehen werden sollten, dann auch natürlich medizinisch erklärt. So klingt manches dann selbstverständlich auch durchaus logisch. So zum Beispiel, dass nicht ein hoher Cholesterinspiegel an sich schlecht sei, sondern dass es vielmehr auf die Art der Cholesterinpartikel ankomme. Denn „fluffiges“ Cholesterin sei nicht schädlich, im Gegensatz zu kleinen Cholesterinpartikeln. Denn diese seien es, dabei auch kleine HDL-Cholesterinpartikel, die das Lumen der Arterienwände verkleinern und damit zu Arteriosklerose führen, was wiederum das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle steigere.

Doch was stimmt denn nun?

Im Endeffekt kann man sagen, dass es im Großen und Ganzen zwei Theorien gibt.
So lauten allgemeine Empfehlungen man sollte täglich nicht mehr als 250-300 mg Cholesterin über die Ernährung zu sich nehmen. Und auch einen Gesamtwert von 60 g Fett pro Tag ebenfalls nicht überschreiten.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schreibt hierzu:

„Verzichten Sie auf besonders cholesterolhaltige Lebensmittel wie Innereien, Meerestiere, Aal/Räucherfisch und auf den Verzehr der Haut bei Fisch und Geflügel. Essen Sie nicht mehr als 2 – 3 Eier pro Woche. Auch Frischeinudeln, Dressings, Fertiggerichte können Eier bzw. Eigelb enthalten.

Anstelle der eingesparten Fette nehmen Sie die Kalorien über Brot, Nudeln, Reis, Haferflocken, Gemüse, Salate, Obst, Hülsenfrüchte sowie Kartoffeln auf. Diese pflanzlichen Lebensmittel sind fettarm und und cholesterolfrei. Sekundäre Pflanzenstoffe in Gemüse und Obst haben cholesterolsenkende, antioxidative und antientzündliche Wirkungen.

Trinken Sie so wenig Alkohol wie möglich. Er hat zwar günstige Wirkungen auf das HDL-Cholesterol, erhöht aber die Triglyceride.“

Eine andere Theorie wiederum ist der Auffassung, dass diese Ansicht überholt sei und man vor gesättigten Fettsäuren sowie cholesterinhaltigen Lebensmitteln wie Fleisch, Milchprodukten und Eiern keine Bedenken zu haben brauche.

Auch wenn sich immer mal wieder neue Erkenntnisse auftun, so gibt es doch immer wieder unterschiedliche Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. So wie das oben genannte Beispiel, indem gewisse Erkenntnisse und Bekanntgaben dann wieder widerlegt werden.
Allgemeine Empfehlungen in Sachen Ernährung raten jedoch nach wie vor dazu den Konsum cholesterinhaltiger Lebensmittel zu beschränken.

Doch….

 

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Zuerst einmal: Welche Cholesterinformen gibt es? – Der Unterschied zwischen LDL und HDL

Cholesterin allgemein ist eine wachsartige und fettähnliche Substanz aus der Gruppe der Lipide (Fette), die im menschlichen Körper viele wichtige Aufgaben (z.B. die Bildung von Hormonen) wahrnimmt. Um sie zu erfüllen, benötigt der Körper täglich etwa 0,5 bis 1 Gramm Cholesterin, das er zum größten Teil selbst herstellt als so genanntes Cholesterol. Den Rest (etwa 0,25 bis 0,3 Gramm) nimmt er über die Nahrung auf und wandelt sie in Lipidproteine um, die je nach Zusammensetzung eine unterschiedliche Dichte aufweisen und demnach LDL Cholesterin oder HDL Cholesterin genannt werden.

1.) LDL-Cholesterin

LDL Cholesterin steht für „Low Density Lipoproteine“ Cholesterin und bezeichnet Lipoproteine mit einer geringen Dichte und einem hohem Lipidgehalt von etwa 75 Prozent. Diese Form des Cholesterins wird oft auch als das schlechte Cholesterin bezeichnet.
Das LDL weist im Gegensatz zum HDL (High Density Lipoprotein) eine niedrige physikalische Dichte auf – daher die Bezeichnung „low density“. LDL befördert das lebenswichtige Cholesterin von der Leber in die verschiedenen Gewebe.
Befindet sich wiederum zu viel LDL im Blut, kann sich das Cholesterin an den Gefäßwänden ablagern.

2.) HDL-Cholesterin

HDL-Cholesterin sind die kleinsten Lipoproteine des Körpers. Sie enthalten etwa 25% des gesamten Cholesterins im Körper. HDL-Cholesterin wird allgemein auch als das sogenannte gute Cholesterin bezeichnet, da es der Gegenspieler zum LDL-Cholesterin ist. Denn das HDL baut sozusagen das Cholesterin aus dem Blutkreislauf wieder ab und dient damit letzten Endes dem Schutz der arteriellen Gefäße. Hierbei darf der Wert des HDLs auch erhöht sein. Bedenklich wird es jedoch, wenn der HDL-Wert unter 40 mg/dl liegt. 

3.) Triglyceride

Triglyceride sind natürlich vorkommende Fette, die wir mit dem Essen aufnehmen. Die Fette liefern unserem Organismus Energie und das was er gerade nicht braucht, speichert er im Fettgewebe ab.

Die Triglyceride (auch Neutralfette genannt) schwimmen, gebunden an Lipoproteine, durch die Blutgefäße zu den Fettdepots. Deshalb kann man die Konzentration der Fette im Blutserum messen. Sind die Triglyceridwerte erhöht, steigt das Risiko für Schäden an den Blutgefäßen (Arteriosklerose).
Im Serum sollten idealerweise weniger als 150 mg/dl oder weniger als 1,71 mmol/l Triglyceride nachweisbar sein. Erhöhte Werte allerdings sind kein alleiniger Indikator für ein erhöhtes Krankheitsrisiko wie Arteriosklerose. Auch wichtig hierbei sind Zusatzfaktoren wie ein erhöhter LDL-Cholesterinwert sowie weitere Risikofaktoren (Bluthochdruck, Bewegungsmangel usw).

 

Was ist nun der ideale Cholesterinspiegel?

In dieser Studie heißt es u.a.:

„The normal low-density lipoprotein (LDL) cholesterol range is 50 to 70 mg/dl … Randomized trial data suggest atherosclerosis progression and coronary heart disease events are minimized when LDL is lowered to <70 mg/dl. No major safety concerns have surfaced in studies that lowered LDL to this range of 50 to 70 mg/dl.“

zu deutsch: „Der normale Low-Density Lipoporotein (LDL) Cholesterinwert befindet sich zwischen 50 bs 70 mg/dl… Versuchsdaten deuten darauf hin, dass die Entwicklung von Arteriosklerose und Koronaren Herzerkrankungen minimiert wird, wenn der LDL-Wert kleiner als 70 mg/dl ist. Ke-ine größeren Sicherheitsbedenken haben sich in Studien gezeigt, in welchen der LDL-Wert auf 50 bis 70 mg/dl gesenkt wurde.“

Mehr Infos hierzu finden sich u.a. auch hier:

Jetzt heißt es hier der optimale LDL-Wert liegt bei unter 70 mg/dl. Was jedoch unsere Breitengrade betrifft, gelten jedoch vollkommen andere Werte. So heißt es ein Wert von LDL unter 100 mg/dl sei wünschenswert. Und eine Erhöhung sei ab ca. 170 bis 180 mg/dl gegeben. Mehr dazu hier: Quelle.

Wichtig in der Gesamtbetrachtung ist auch das Verhältnis von LDL zu HDL-Cholesterin. Denn HDL ist ja, wie bereits erwähnt, der Gegenspieler zum LDL-Cholesterin.  Ideal ist ein Verhältnis von LDL zu HDL von einem Wert, der kleiner ist als 3.
Als Beispiel: Ein LDL-Wert von 150 mg/dl und ein HDL-Wert von 30 mg/dl ergibt einen Quotienten von 5 und ist damit auffällig. Wäre der HDL-Wert höher und läge bei 50 mg/dl, würde dies einen Quotienten von 3 ergeben, der im Normbereich liegt.

Auffällig ist, dass die Werte in allgemeinen Empfehlung höher sind als die andersweitig genannten 50 bis 70 mg/dl. Warum das so ist liegt wohl daran, dass die allgemeinen Cholesterin-Werte unserer Bevölkerung insgesamt höher sind. Faktoren, die hierbei eine Rolle spielen sind u.a. Übergewicht, Bewegungsmangel sowie die Ernährung usw.

Insgesamt heißt es heute, dass der Gesamt-Cholesterinwert 200 mg/dl nicht überschreiten sollte und somit als Grenzwert anzusehen ist. 

 

 

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Warum man nicht alles glauben sollte, was die Medien verlauten lassen.

Wenn es heißt Cholesterin sei unbedenklich, so sollte man lieber zwei Mal, gerne auch drei oder vier Mal nachlesen. Denn auch wichtig bei der Betrachtung solcher Bekanntgebungen Bezug nehmend aus so manche Studien, die behaupten man könne so viel Cholesterin essen wie man wolle, ist auch die Art der Studie. Sogenannte Querschnittsstudien sind in diesem Zusammenhang beispielsweise nicht geeignet eindeutige Aussagen zu treffen. Denn bei der Betrachtung von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin und dessen Auswirkungen auf die Entstehung von Herzerkrankungen sowie Arteriosklerose spielen auch genetische Faktoren eine entscheidende Rolle. Denn zwei Menschen können dasselbe essen, aber schon von vornherein unterschiedlich hohe Cholesterin-Werte haben. So kann dann bei dem einen ein höheres Risiko gegeben sein als bei dem anderen.
Primäre Faktoren für eine Hypercholesterinämie (erhöhter Cholesterinspiegel) sind prozentual gesehen zwar nicht so stark vertreten wie sekundäre Faktoren (Ernährung, Lebensführung, Krankheiten usw.), spielen dennoch in der Gesamtbetrachtung eine entscheidende Rolle.

Bei einer Querschnittsstudie (Cross-sectional data) handelt es sich um eine Form der Studie, bei der eine empirische Untersuchung (z.B. Befragung oder Inhaltsanalyse) nur einmalig durchgeführt wird.

In Bezug auf die Aufnahme von Cholesterin durch die Ernährung und die Erhöhung des Serum-Cholesterinspiegels heißt es hier u.a. folgendes:

„The confounding that results from the uncontrolled conditions under which most epidemiologic observations are made is sufficient to undermine their validity with respect to investigation of the relationship between diet and serum cholesterol. In this paper, the authors show, using both a mathematical model and referring to empirical data, that if certain variances are sufficiently great, even when there is cause and effect, correlation coefficients close to zero would be expected from the actual data of a cross-sectional study. Cross-sectional designs are therefore not suitable for studying this relationship.“

Weiter wichtig bei der Betrachtung diverser Studien ist auch von welcher Institution diese unterstützt wurden. Denn nicht selten werden gewisse Studien sozusagen gekauft um die Verkaufszahlen gewisser Industrien zu fördern. Wenn also eine Studie von der Milch-Industrie gesponsort wurde und dann zu positiven Schlussfolgerung in Bezug auf den Konsum dieses Produkts kommt, so sollte man lieber zwei Mal hinsehen. Besser um sich eine möglichst unabhängige Meinung zu bilden sind die Aussagen unabhängiger Institutionen.

 

 

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Fazit:

Hm, was ist nun das Fazit all dessen?
Ganz einfach: Der Konsum cholesterinreicher Lebensmittel, hierbei vor allem in Form gesättigter Fettsäuren, erhöht den menschlichen Serum-Cholesterinspiegel und damit einhergehend das Risiko für Arteriosklerose und Herzerkrankungen.

Auch wenn man gerne Gegenteiliges hören möchte, man sollte nicht alles was in den Medien verbreitet wird einfach blind glauben, sondern auch mal hinterfragen.

Meine persönliche Sicht der Dinge ist, dass Ernährungsempfehlungen, die zu hohem Konsum cholesterinhaltiger Lebensmittel raten eine gesundheitliche Gefährdung darstellen. Denn desto mehr Cholesterin durch die Ernährung aufgenommen wird, desto mehr erhöht sich der Serum-Cholesterinspiegel. Und das wiederum führt nachweislich, wenn zudem ein Quotient über 3 zwischen LDL und HDL besteht, zu Ablagerungen in den Arterien, was wiederum Arteriosklerose und damit einhergehend Herzerkrankungen fördert. Keine positive Sache.
Insofern wird auch geraten, wenn die betreffende Person nicht gerade ein Anhänger dieser Ernährungsformen ist, Lowcarb sowie Ketogene Diäten (auch bekannt als No-Carb) nur über einen begrenzten Zeitraum durchzuführen. Nicht aber auf Dauer. 
In meiner Recherche für diesen Beitrag bin ich des öfteren auf Aussagen oder Fragen von Leuten gestoßen, die diese Ernährungsweisen länger praktizieren und dann fragen zu plötzlich erhöhten Cholesterinwerten stellten. So waren die Gesamtcholesterinwerte gerne mal bei 236 mg/dl oder auch mal bei 398 mg/dl. Alarmierend. Doch manchmal wird dann doch tatsächlich, selbst von manchen Ärzten, geraten man solle sich bei solch hohen Werten keine Sorgen machen, sondern das Ganze einfach in ein paar Wochen nochmal überprüfen lassen.

Aus meiner Sicht sollte man einfach nachdenken was der gesunde Menschenverstand sagt was eine gesunde und ausgewogene Ernährung wohl ist. Hierbei halte ich es für ratsamer sich an die Empfehlungen namhafter Ernährungsgesellschaften zu halten, die primär zu einer ausgewogenen Ernährung mit einer ordentlichen Portion Grünzeutg raten. Denn was ist das erste, das einem beim Stichwort „gesund“einfällt? Obst? Gemüse?

 

 

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Ein Kommentar zu „Die Sache mit dem Cholesterin…

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