Tofu zerstört den Regenwald!… Wirklich?


Brennende Bäume, kahle Flächen wo sich einst noch grüne Landschaften erstreckten, Artensterben, Menschen, die ihren Wohnraum verlieren, Klimawandel… Alles Begriffe, die einem beim Thema Soja einfallen. Schließlich ersetzen wir Regenwald durch Sojamonokulturen, auf die wir dann wieder Unmengen an Pestiziten sprühen.
Und das alles nur für Tofu? Sind Vegetarier und Veganer jetzt daran Schuld, wenn der Regenwald irgendwann vielleicht nur noch ein Wort in unserer Erinnerung ist?

Okay, ich möchte hier nicht Schwarzmalen.
Doch allein in Südamerika sind in den letzten 4o Jahren gute 40 Prozent des Regenwaldes der Produktion von Futtermitteln für die Tiermast zum Opfer gefallen. Und im Amazonas sind es sogar ganze 70 Prozent der tropischen Waldflächen. (Quelle).

Die Hauptursachen für die Abrodung des Regenwaldes sind im Grunde folgende:
– Umwandlung von Regenwald in Viehweiden und Sojaplantagen
– Errichtung von Palmölplantagen
– Tropenholzgewinnung
– Abbau von Rohstoffen wie Gold oder Erz
– Brandrodungen für Landgewinn

Was genau hat jetzt Tofu mit Regenwald zu tun?

Oft heißt es an dieser Stelle Tofu wird aus Soja hergestellt. Und für Sojaplantagen wird Regenwald abgerodet. Also werden auch für Vegs ganze Landstriche an Tropenwäldern dem Erdboden gleich gemacht. Klingt doch logisch, oder?

Doch um es gleich vorweg zu nehmen: Das hierzulande verwendete Soja für Ersatzprodukte wie Tofu stammt hauptsächlich aus EU-Ländern oder teilweise aus Kanada. Zu den typischen Herkunftsländern von Sojaprodukten für den menschlichen Verzehr hier in Deutschland gehören neben China und Kanada auch Österreich und Frankreich (weitere Infos zu der Herkunft der Sojabohnen einzelner Hersteller veganer Sojaprodukte hier. Dieselben Sojabohnen werden auch für andere Produkte dieser Hersteller verwendet.)

Wichtig zu wissen an dieser Stelle wäre auch die prozentuale Gesamtverteilung. Also wie genau das Regenwald-Soja jetzt eingesetzt wird?
Etwa 80 Prozent des weltweiten Sojaanbaus wird als Tierfutter verwendet. Weitere 10 Prozent werden zu Agrartreibstoffen verarbeitet, neun Prozent werden in der Margarine- und Sojaölherstellung (hauptsächlich eingesetzt in den Küchen der Amerikaner) verwendet und etwa ein Prozent für andere Soja-Lebensmittel.

abgebrannter-regenwaldIm Endeffekt ist es so, dass Tofu mit der Abrodung des Regenwaldes eigentlich nichts zu tun hat. Der wesentliche Hauptteil des Regenwaldes fällt der Massentierhaltung zum Opfer. Denn unsere heimischen Futtermittel reichen nicht aus, um die hiesigen „Nutztiere“ für den menschlichen Verzehr zu mästen. Insofern dient das komplette aus Lateinamerika (Brasilien, Argentinien, Paraguay etc.) importierte Soja (das sind 4,2 Millionen Tonnen jährlich) einzig und allein der Massentierhaltung.

Wenn man bedenkt, dass in den letzten 40 Jahren 40 Prozent des Regenwaldes in Südamerika (also knapp die Hälfte der Tropenwälder) abgerodet wurde um Platz für Sojaplantagen zur Tiermast zu schaffen, dann finde ich persönlich das ziemlich erschreckend. Vor allem da es heißt, dass sich der weltweite Fleischkonsum bis 2050 verdoppeln soll.
Da tut sich mir zwangsläufig die Frage auf was wir nachfolgenden Generationen (vielleicht unseren Enkelkindern) erzählen wollen, warum unsere grünen Lungen dran glauben mussten? Weil der Döner um die Ecke oder der Burger bei McDonalds so gut geschmeckt haben?
Die Frage mag anmaßend klingen, doch die Entscheidung was wir uns auf den Teller legen haben weitreichende Konsequenzen. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere.

Jetzt könnte man fragen ob Bio-Fleisch vielleicht eine Alternative wäre?
Die Sache ist die, dass bei Bio-Fleisch die Zufütterung mit Kraftfutter (Soja aus Lateinamerika) zwar bis auf 10% der Jahresfuttermenge beschränkt, aber nicht vollkommen verboten ist. Bioverbände wie Demeter, Neuland, Naturland und Bioland verzichten mitunter auf die Zufütterung von Kraftfutter und beziehen ihre Futtermittel aus der Region.

Alles in allem landet der nicht unwesentliche Hauptteil des Regenwald-Sojas in den Trögen unserer Nutztiere. Davon abgesehen ist der Konsum von Tofu sogar umweltfreundlicher, denn aus einem Kilo Soja lassen sich zwei Kilo Tofu herstellen, während aus der gleichen Menge lediglich 300 Gramm Fleisch in der Schweinemast hergestellt werden können.

Die Lösung zum Schutze unserer tropischen Wälder wäre folglich also eine Reduktion unseres Fleischkonsums. Nicht aber eine Reduktion unseres Tofuverbrauchs.

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2 Kommentare zu „Tofu zerstört den Regenwald!… Wirklich?

  1. Liebe Cordula,

    danke für diesen informativen und tollen Blog-Beitrag. Hat sich total gut gelsen und es freut einen natürlich auch zu hören, dass man Tofu weiterhin genießen kann.

    Liebe Grüße,
    Laura 🙂

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